Neurotransmitter im Gehirn

Veröffentlicht am
7 Juni 2023
Zuletzt aktualisiert
17 Dezember 2023
Inhaltsübersicht

Unser Denken erzeugt Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, die unsere Stimmungen und Gefühle beeinflussen. Wie auch Du mental einen direkten Einfluss auf die Neurotransmitter ausüben kannst, erfährst Du in diesem Blogartikel!

Neurotransmitter: Definition

Neurotransmitter sind heterogene, biochemische Botenstoffe, die Reize und somit Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen Nervenzelle weiterleiten. Sie sind also für die Signalübertragung zuständig und befinden sich deshalb in der Verbindungsstelle zwischen den Nervenzellen, die auch Synapsen genannt werden.

Was sind Neurotransmitter?

Neurotransmitter können in drei verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Diese Stoffklassen sind die Aminosäuren, die Amine und die Neuropeptide.

StoffklassenNeurotransmitter: Beispiele
AminosäurenGlutamat, GABA
AmineAcetylcholin, Serotonin, Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin)
NeuropeptideEndorphine, Oxytocin


Durch Neurotransmitter kann Kommunikation im Gehirn stattfinden und ein Impuls zum Handeln aktiviert werden. Deine Zufriedenheit, Heiterkeit, Motiviertheit und Klarheit steht in direkter Verbindung mit der Zusammensetzung der verschiedenen Neurotransmitter. Denn Neurotransmitter verursachen jedes Gefühl und jede Stimmung. Sie aktivieren Deine Motivation und haben Einfluss auf Deinen Schlaf sowie auf Dein Lernen. Zudem benötigen wir bei unserer Wahrnehmung und Informationsverarbeitung ebenfalls das Zusammenwirken der Neurotransmitter.

Welche Neurotransmitter es gibt und was diese in Deinem Körper bewirken, das erfährst Du in den folgenden Abschnitten.

Neurotransmitter im Gehirn: Dopamin und Serotonin

Die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin haben eine besonders große Auswirkung und stimulierende Wirkweise auf Deine Gefühlswelt. Daher ist es umso erstaunlicher, dass wir mental einen direkten Einfluss auf den Dopamin- und Serotoninspiegel in unserem Körper ausüben können.

Dopamin und seine Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen.


Dopamin gehört zu der Stoffklasse der Amine und ist besonders für Deine Motivation und Dein Erinnerungsvermögen wichtig. Dabei richtet Dopamin Deine Aufmerksamkeit auf positive Reize und fokussiert erstrebenswerte Ziele. Zudem kann sich Dopamin auch auf den Sympathikus auswirken, der als Teil des vegetativen Nervensystems die Aktivität vieler Organe steuert, und unser Langzeitgedächtnis stärken. Neben diesen beiden positiven Aspekten kann Dopamin aber auch zur Suchtentstehung beitragen. Zudem kann ein Ungleichgewicht des Dopaminspiegels zu ADHS, Motivationslosigkeit, Gedächtnisproblemen oder auch zu Depression führen.

Serotonin  und seine Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen.


Serotonin gehört ebenfalls in die Stoffklasse der Amine und sorgt als wahrscheinlich wertvollster Glücksbotenstoff für Heiterkeit, Ausgeglichenheit, guten Schlaf und Wohlbefinden und fördert so Deine Zufriedenheit. Dabei bremst Serotonin negative Gefühlszustände wie Angst, Panikattacken, Sorge, Aggressivität und sogar Hunger aus. Serotonin wirkt angstlösend und kommt daher u.a. bei der Behandlung von mentalen Angststörungen, akuter Depression oder auch bei Zwangsstörungen zum Einsatz.

Neurotransmitter im Gehirn: Weitere Neurotransmitter Beispiele

Neben Dopamin und Serotonin gibt es noch weitere Neurotransmitter, die Signale in Deinem Körper übermitteln und so Deine Gefühlswelt beeinflussen. Folgend werden einige Neurotransmitter Beispiele aufgeführt.


Noradrenalin gehört wie Dopamin und Serotonin in die Stoffklasse der Amine und unterstützt das Dopamin, indem es Dich antreibt und sowohl physisch als auch psychisch pusht. Zudem macht es Dich konzentrierter, wachsamer, treibt Dich an und reguliert sogar deinen Appetit. Allerdings kann Dich Noradrenalin ebenfalls nervös machen, indem es bei Stress durch eine Kontraktion der Blutgefäße Deinen Blutdruck erhöht. Aus diesem Grund wird Noradrenalin auch als Stresshormon bezeichnet. Genau wie beim Dopamin sinkt bei einem Mangel an Noradrenalin Deine Motivation, Konzentrationsfähigkeit und Du wirst vergesslicher.


Auch Acetylcholin gehört zu der Stoffklasse der Amine. Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, der Signale zwischen Nerven- und Muskelzellen überträgt und so dafür sorgt, dass Informationen für Bewegungen in Deinen Muskeln ankommen. Zudem ist dieser Neurotransmitter an der Steuerung Deiner Atmung und Deines Herzschlages beteiligt.


Glutamat gehört zu der Stoffklasse der Aminosäuren und ist der im Gehirn am häufigsten vorkommende erregende Neurotransmitter. Im Gehirn hat Glutamat eine erregende Wirkung. Dieser Neurotransmitter ist an der Schmerzübertragung und der Steuerung von Appetit beteiligt.

GABA gehört auch zu der Stoffklasse der Aminosäuren und ist der am häufigsten vorkommende hemmende Neurotransmitter im Zentralen Nervensystem. Zudem kommt er in größeren Mengen in der Bauchspeicheldrüse vor, wo er den Blutzuckerspiegel reguliert. GABA ist ebenfalls an Deinem Schlaf beteiligt.
Die Wirkungen von GABA steht der Wirkung von Glutamat gegenüber, da der eine Neurotransmitter hemmend und der andere erregend wirkt.


Endorphine sind Neurotransmitter, die Deine Stimmung heben, euphorisierend wirken und schmerzlindernd sein können und somit auch bei chronischen Schmerzen helfen können. Sie gehören zur Stoffklasse der Neuropeptide.


Oxytocin gehört wie die Endorphine auch zur Stoffklasse der Neuropeptide und wird auch als Wohlfühlhormon oder Kuschelhormon bezeichnet. Oxytocin erzeugt Gelassenheit, Bindung und Vertrauen und kann somit helfen, Stress abzubauen. Dieser Neurotransmitter wird bei Interaktionen mit anderen Menschen, wie z.B. beim Kuscheln, Küssen, Umarmen enger Freund:innen, Stillen eines Babys oder auch beim Streicheln Deines Haustieres gebildet.

Neurotransmitter im Gehirn in der Form von unzähligen Netzen, die miteinander verbunden sind.

Neurotransmitter im Gehirn: Dein Einfluss auf Deine Gefühlswelt

Wie vielfältig und unterschiedlich Neurotransmitter auf Dich und Deine Gefühlswelt wirken, hast Du nun erfahren. Aber wie können wir diese Glücksbotenstoffe aktiv beeinflussen und somit unsere Gefühle, Stimmungen, physische und psychische Gesundheit sowie unser Glücksempfinden fördern? Dabei hilft uns die Fähigkeit unseres Gehirns, neues Gutes zu erlernen und altes Schlechtes zu verlernen. Dieser Vorgang wird neuronale Plastizität genannt und bezeichnet die Flexibilität der Gehirnzellen. Durch Deinen Geist kannst Du die Produktion der Neurotransmitter unmittelbar stimulieren. Dieses geschieht durch die Art des Denkens.

Meditation ist hierbei Dein Schlüssel zum Glück. Denn durch das regelmäßige Praktizieren von Meditation kannst Du Deinen Hirnstoffwechsel beeinflussen uns so Deine Stressresistenz verbessern und Dein Wohlbefinden steigern. Dieses belegen zahlreiche Studien (z.B., Cahn et al., 2017). Beim Meditieren lernst Du Dich auf den gegenwärtigen Moment zu fokussieren und wertfrei Deine Umwelt zu betrachten. Denn besonders die Bewertungen eines Sachverhalts scheinen sich negativ auf die Botenstoffproduktion auszuwirken, da jede negative Bewertung die Ausschüttung von Stresshormonen verursacht und jede positive Bewertung die Produktion von Wohlfühlhormonen fördert. Sicher fragst Du Dich jetzt, wie Meditation es schafft, Deine Bewertungen zu verändern? Bewertungsreaktionen, wie z.B., sich darüber zu ärgern, wieder die falsche Schlange an der Einkaufskasse gewählt zu haben, sind Angewohnheiten und oftmals anerzogen. Aber Gewohnheiten sind veränderbar! Daher ist es reine Übungssache, diese inneren Muster durch neue zu ersetzen und das schaffst Du mit regelmäßiger Meditation!

Weitere Befunde zu Meditation und Neurotransmittern

💡Studien (Kjaer et al., 2002) konnten zeigen, dass sich während der Meditation der Serotonin- und Dopaminspiegel erhöht. Zudem zeigte sich, dass nur bei Meditation ein glücklicher Zustand lange aufrechterhalten werden konnte und der Dopaminspiegel auch nach längerer Zeit nur wenig sank, während sowohl Geld als auch Essen, Drogen, Sex oder Glückspiel eine massive Herunterregulierung des Dopaminlevels nach sich zogen, sobald der Reiz kurz ausblieb.

💡Weitere Studien (Davidson et al., 2003) zeigten zudem, dass Meditation die Gehirn- und Immunfunktion positiv verändern kann und zu einer verbesserten Stressresistenz und einem verbesserten Wohlbefinden führt. So zeigten auch Brand et al. (2012), dass sich bereits nach einem 8-wöchigen Meditations-Einführungskurs bei den Teilnehmenden die Stressregulation und die Schlafqualität verbesserte. Infant et al. (2001) konnten in ihrer Studie zeigen, dass die regelmäßige Meditation einen signifikanten Einfluss auf das Sympathikus-Nebennierenmark-System hat. Durch diese Regulierung des Sympathikustonus findet eine niedrige hormonelle Reaktion auf täglichen Stress statt.

💡Luders et al. (2011) konnten zeigen, dass Langzeitmeditierende eine ausgeprägtere strukturelle Konnektivität im gesamten Gehirn innerhalb der Hauptprojektionswege, Kommissuralwege und Assoziationswege aufwiesen.


Also beginne auch Du, die Art Deines Denkens mittels Meditation zu verändern und beeinflusse so die Neurotransmitter in Deinem Gehirn. Werde autonomer, glücklicher, leistungsfähiger, erfolgreicher und effizienter.

Neurologische Erkrankungen

Nun hast Du viel über Neurotransmitter und über den Vorgang der neuronalen Plastizität erfahren. Wusstest Du, dass mittlerweile nachgewiesen werden konnte, dass dieser Vorgang auch nach einem Schlaganfall oder einem Hirntumor verloren gegangene Fähigkeiten wieder regenerieren oder auf andere Hirnbereiche verlagert werden, und fehlende Zellen teilweise erneuert werden können? Wenn Du mehr zu diesen oder anderen Neurologischen Krankheiten wissen möchtest, dann lies doch unseren Blogartikel „Neurologische Erkrankungen“. Viel Spaß beim Lesen!

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Quellen

Brand, S., Holsboer-Trachsler, E., Naranjo, J. R., Schmidt, S. (2012). Influence of mindfulness practice on cortisol and sleep in long-term and short-term meditators. Neuropsychobiology, 65 (3),109-118. doi: 10.1159/000330362 Birbaumer, N. & Schmidt, R. F. (2010). Biologische Psychologie, 7. Auflage, Berlin/Heidelberg. Cahn, R. B., Goodman, M. S., Peterson, C. T., Maturi, R., Mills, P. J. (2017). Yoga, Meditation and Mind-Body Health: Increased BDNF, Cortisol Awakening Response, and Altered Inflammatory Marker Expression after a 3-Month Yoga and Meditation Retreat. Front Hum Neurosci. https://doi.org/10.3389/fnhum.2017.00315 Davidson, R. J., Kabat-Zinn, J., Schumacher, J., Rosenkranz, M., Muller, D., Santornelli, S. F., Urbanowski, F., Harrington, A., Bonus, K., Sheirdan, J. F. (2023). Alterations in brian and immune function produced by mindfulness meditation. Psychosom, 65 (4), 564-570. doi: 10.1097/01.psy.0000077505.67574.e3. PMID: 12883106 Desbordes, G., Negi, L. T., Pace, T. W., Wallace, B. A., Raison, C. L., Schwart, E. L. (2012). Effects of mindful-attention and compassion meditation training on amygdala response to emotional stimuli in an ordinary, non-meditative state. Front Hum Neurosci, 6, 292. doi: 10.3389/fnhum.2012.00292 Esch, T. (2014). The neurobiology of meditation and mindfulness. In S. Schmidt & H. Walach (Eds.), Meditation – Neuroscientific approaches and philosophical implications (pp. 153–173). Springer. Infante, J. R., Torres-Avisbal, M., Pinel, P., Vallejo, J. A., Peran, F., Gonzalez, F., Contreras, P., Pacheco, C., Roldan, A., Latre, J. M. (2001). Catecholamine levels in practitioners of the transcendental meditation technique. Physiol Behav, 72(1-2), 141-146. doi: 10.1016/s0031-9384(00)00386-3 Kjaer, T. W., Bertelsen, C., Piccini, P., Brooks, D., Alving, J., Lou, H. C. (2002). Increased dopamin tone during meditation-induced change of consciousness. Luders, E., Clark, K., Narr, K. L., Toga, A. W. (2011). Enhanced brain connectivity in long-term meditation practitioners. Neuroimage, 57(4), 1308-1316. doi: 10.1016/j.neuroimage.2011.05.075 Newberg, A.B., Iversen, J. (2003). The neural basis of the complex mental task of meditation: neurotransmitter and neurochemical considerations. Med Hypotheses, 61(2), 282-91. doi: 10.1016/s0306-9877(03)00175-0

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