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Achtsamkeit in Unternehmen

Achtsamkeit ist mittlerweile mehr als nur spirituelle Praxis

Wenn es um die Themen Meditation und Achtsamkeitsübungen geht, kommt es vor, dass man davon ausgeht, man wisse, worum es sich hierbei handelt. Möglicherweise hat man eine ungefähre Vorstellung darüber im Sinne, wie solche Übungen ablaufen. Wenn man sich jedoch eingehender mit der Thematik befasst, wird der eine oder andere überrascht feststellen, wie umfassend sich die Wissenschaft in den letzten Jahren mit den uralten Traditionen beschäftigt hat – und es zunehmend tut! Denn nicht nur für buddhistische Mönche ist Achtsamkeit (Mindfulness) eine Bereicherung; egal ob beziehungsweise welcher Religion man angehört, die simplen Übungen erweisen sich als Wohltat für den Geist (mehr zur Wirkung von Meditation hier). Kein Wunder also, dass die Thematik nach und nach auf alle möglichen Bereiche angewandt wird. Selbst als Alternative zu herkömmlichen Formen der Psychotherapie hat man mit der sogenannten „Mindfulness-Based Cognitive Therapy“ schon erstaunliche Ergebnisse in empirischen Studien erzielt.

Achtsamkeit in der Arbeitswelt

Im Zusammenhang mit Unternehmen schlägt Mindfulness zwei Fliegen mit einer Klappe: das Wohlbefinden und gleichzeitig die Produktivität steigen, wie eine Studie von Aikens et al. nahelegt. Doch die Studienlage ist aktuell noch in starkem Wandel; es gibt Ergebnisse, die auf eine große Wirksamkeit hinweisen, aber auch solche, die nahelegen, dass die Interventionen auf bestimmte Bereiche besonderen Einfluss haben und nicht universell wirken (Pieter & Wolf, 2013).

Es gilt also noch herauszufinden, welche Maßnahmen wann die größte Wirkung haben, denn bei den heutigen Verhältnissen und Anforderungen am Arbeitsplatz scheint der Anteil psychischer Probleme kontinuierlich anzusteigen: Sie zeigen sich nicht nur in der zunehmenden Arbeitsunfähigkeit, sondern seit Ende der 90er Jahre zählen psychische Erkrankungen zu den Hauptgründen der Frühberentung (Pieter & Wolf, 2013).

Interventionen zur Stressreduktion werden also bezogen auf die Arbeitswelt immer interessanter und gefragter. Aber wie lehrt man effektive Stressbewältigung im Job?

Obwohl es noch kein „Handbuch“ für die effizienteste Anwendung der Methoden gibt, lohnt es sich, selbst mit Achtsamkeitsübungen zu experimentieren, denn eine Vielzahl von Studien zeigen bereits auch auf neuronaler Ebene, dass Achtsamkeit das Potenzial bietet, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Menschen gleichermaßen zu erhöhen. Achtsamkeit („mindfulness“) beschreibt die Haltung, ganz „da zu sein“, eine Situation, ohne sie vorschnell zu bewerten, wahrzunehmen und anzunehmen.

Business Benefits der achtsamkeitsbasierten Meditation

Regelmäßige Übung ermöglicht, neu auf Situationen zu schauen und Probleme in kreativer Art zu lösen, beispielsweise indem man neue Verhaltensweisen ersinnt (Thinking out of the Box) (Sauer et al., 2011). Dies sind selbstverständlich Fähigkeiten, die man sich sowohl von Mitarbeitern als auch von Führungskräften wünscht und daher scheint es ein Gewinn für alle Beteiligten zu sein, regelmäßige Meditationen versuchsweise in den Alltag von Unternehmen zu integrieren. Mit anderen Worten: das Potenzial für Achtsamkeit als Personalentwicklungsmaßnahme ist gegeben.

Kai Romhardt zum Beispiel befasst sich damit, wie man Achtsamkeit speziell in Meetings anwenden kann und ist der Meinung, dass kleine Maßnahmen den Unterschied machen können zwischen freudvoll, sinnvoll, inspirierend oder dem genauen Gegenteil: Zeitverschwendung und Perioden tiefer Frustration. Die Begründung ist einfach: Trägt man ein negatives Urteil oder negative Gefühle über andere in sich, trägt man nicht zu einer konstruktiven und positiven Atmosphäre bei. Nimmt man nun nicht ganz bewusst wahr, dass das der Fall ist, wird man auch nicht versuchen, eine solche Einstellung beiseite zu legen.

Achtsamkeit wird daher als Schlüssel für eine gute, produktive und effiziente Meeting-Atmosphäre angeführt, da es einen Geisteszustand beschreibt, in der einem der gegenwärtige Moment voll und ganz bewusst ist und man so klar vor Augen hat, was in den eigenen Gedanken und Gefühlen gerade für ein Zustand herrscht. Nimmt man wahr, wie man über andere urteilt, ist man auch in der Lage, von Wertungen abzusehen. So entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens und des wertfreien Zuhörens, also auch eine Atmosphäre hoher Produktivität.

Aber was bringt dies dem Einzelnen?

Man mag nun den Fehlschluss ziehen, dass man durch einen achtsamen Zustand eher den Menschen um sich herum einen Gefallen tut als sich selbst (es werden unter anderem auch egozentrierte Tendenzen reduziert), doch in erster Linie geht man gut mit sich selbst um. Es geht mit einer achtsamen Haltung einher, dass man auch beginnt, achtsamer anderen Menschen gegenüber zu sein. Denn wenn man negative Gefühle wie Wut oder Neid in sich spürt und gleichzeitig in der Lage ist, sich von solchen zu lösen, tut man damit primär sich selbst einen Gefallen und ganz nebenbei auch der Person, die man negativ bewertete. Nach einiger Zeit kann man beobachten, wie sich durch achtsamere Kommunikation bestehende Machtgefüge verändern und Unterbrechungen und Monologe weniger werden.

Natürlich ist es ein Übungsprozess, der gewollt sein muss, aber schwer ist es nicht. Rombardt schlägt zum Bespiel vor, man solle vor einem Meeting 30 Sekunden Stille haben, um richtig anzukommen und sich darauf einzustellen, dass man nun im Kopf in diesem Meeting und nirgends sonst ist. Generell solle man keine Angst vor Stille haben (sie für peinlich, beklemmend oder unproduktiv halten), sondern sie bewusst einsetzen, um ab und zu einen Beitrag nachklingen zu lassen und sich selbst die Zeit zu geben, ihn innerlich einzuordnen. Man bekomme durch solche Übungen einen besseren Blick für das Wesentliche. Eine andere einfache Maßnahme sei das Aufstellen von klaren Kommunikationsregeln. Das gibt die Sicherheit, dass man zu Wort kommen wird, wenn man möchte und befreit einen von dem Drang, jedem Redeimpuls zu folgen. „Einen Impuls wach wahrzunehmen und ihn nicht automatisch auszuagieren, ist Ausdruck großer Freiheit.“, sagt Rombardt.

Achtsame Führung

Auch in Bezug auf Führungskräfte lässt sich schon etwas zum Thema Achtsamkeit sagen:

Da Führungskräfte häufig einer hohen Stressbelastung ausgesetzt sind, wären auch in diesem Kontext Achtsamkeitsübungen nützlich. Doch da es sich um mehr als nur um ein leistungssteigerndes, stressreduzierendes Programm handelt, nämlich um eine Grundhaltung, die Denkgewohnheiten umstrukturiert, können neben den gesundheits- und leistungssteigernden Effekten auch soziale Effekte auftreten: Sauer et al. (2011) sagen, dass Achtsamkeit ein Prozess sei, der Führungskräfte dabei unterstütze, durch mehr „innere Transparenz“ zunehmender durch das eigene Vorbild als durch Kontrolle oder Anweisung zu führen. Und nicht nur das eigene Handeln und Denken wird bewusster wahrgenommen; auch die Bedürfnisse und Möglichkeiten von Mitarbeitern können besser erkannt und „verwaltet“ werden. „Wer in der Lage ist, seine mentalen Ressourcen anstrengungsfreier zu aktivieren, kann für Probleme effektivere oder innovativere Lösungen finden.“, so Sauer et al. (2011).

Anderen Studien zufolge sei die Reduktion narzisstischer Tendenzen ein zentraler Wirkfaktor der Achtsamkeitsmeditationen (Shapiro et al., 2006). Das eigene Ich einen Schritt zurücktreten zu lassen und eher einen objektiven Blick auf Situationen zu haben, führt natürlich zu weniger egoistischen Entscheidungen und so häufig zu konstruktiveren. Ein großer Gewinn für Führungskräfte.

Es wird zum Teil argumentiert, dass eine achtsamere Haltung einer persönlichen Distanzierung (zum Beispiel bei harten Entscheidungen) durch die Verbindung zum empathischen Empfindungsvermögen im Wege stehe, doch Achtsamkeit bewirkt, die Realität des Augenblicks zu akzeptieren und so Gelassenheit und Offenheit gegenüber schwierigen Situationen zu erlernen. Man wird auch weiterhin in der Lage sein, schwierige Entscheidungen zu treffen; man trifft sie bloß wertfreier, reflektierter und bewusster, was es einem erleichtert, Verantwortung dafür zu übernehmen und selbstbewusst auf sein Handeln zu schauen.

Stressbewältigung durch Achtsamkeit am Arbeitsplatz

Auch für Angestellte bringt ein Achtsamkeitstraining einiges an Vorteilen mit sich: eine Online-Intervention mit Achtsamkeitsübungen für Angestellte ging mit reduziertem Stress, erhöhter Resilienz und Vitalität einher. Obwohl die Teilnehmer gleich viel schliefen wie zuvor, gab es zusätzlich weniger Tage, an denen sie zu „burned out“ zum Arbeiten waren (Aikens et al., 2014). So steigt selbstverständlich die Produktivität an, da man weniger gestresst eher in der Lage ist, sein volles Potential zu nutzen und sich hierbei auch noch gut zu fühlen. Laut der Studie gibt es in diesem Fall eine Produktivitätssteigerung von 20%.

Ergebnisse von Aikens et al., 2014: Verlauf der Mindfulness-Interventionsgruppe; trotz unverändertem Schlafrhythmus und gleichbleibend körperlicher Betätigung sinken Stress- und Burn-Out-Episoden. 

Achtsamkeit vermag zu einer guten Unternehmenskultur beizutragen

Generell wird also deutlich, dass Achtsamkeitstraining mehr als eine Methode zur Stressregulierung für Unternehmen darstellt, sondern viel umfassender wirksam sein kann, da die Atmosphäre, die sich die Kommunikation und der Zustand jedes Einzelnen im Laufe der Zeit verändern. Natürlich ist die gesamte Befindlichkeit eines Unternehmens nicht allein von der Anwendung achtsamkeitsfördernder Maßnahmen abhängig, aber es scheint ein sinnvoller Schritt, den Einzelnen zu befähigen, eigenverantwortlich mit belastenden Arbeitsbedingungen umzugehen und zugleich seine psychische Gesundheit zu erhalten.

Die genannten Folgen der Trainings treten natürlich nicht von heute auf morgen ein, sie sind Teil eines umfassenden Entwicklungsprozesses, der eine gewisse Konstanz beim Üben und intrinsische Motivation des Einzelnen voraus setzen. Im Hinblick auf die vorteilhaften Folgen und Unkompliziertheit der Achtsamkeitsmaßnahmen sollte es jedoch nicht schwer sein, seine Mitarbeiter zur Durchführung dieser zu motivieren. Alles im Alltag kann leicht zu einer Meditation, zu „Single-tasking“ umgemodelt werden: essen, gehen und sogar sitzen kann achtsam durchgeführt werden und zur Entschleunigung des Alltags beitragen (zwei Beispiele finden sich in unseren Artikeln zu achtsamem Essen und achtsamem Smartphonegebrauch).

Wissen in der Nussschale: Erkenntnisse aus diesem Artikel

  • Achtsamkeit kann Wohlbefinden und Produktivität steigern
  • Regelmäßige Achtsamkeitsübungen ermöglichen kreativeres Problemlösen durch z.B. Thinking out of the box
  • Achtsamkeit hat positive Auswirkungen auf die Atmosphäre in einem Meeting
  • Achtsame Führung zeichnet sich nicht nur durch gesundheits- und leistungsfördernde, sondern auch soziale Effekte aus: bewussteres Handeln, Berücksichtigung sowie Erkennen von Mitarbeiterbedürfnissen, Reduktion narzisstischer Tendenzen und das Treffen reflektierterer Entscheidungen
  • Achtsamkeitsinterventionen gehen mit reduziertem Stress und erhöhter Resilienz sowie Vitalität einher

Mindfulife hilft Unternehmen, Achtsamkeit in ihren Alltag zu integrieren. Falls wir Ihr Interesse geweckt haben, schauen Sie gerne mal bei unserem Angebot vorbei.

Quellen:

Aikens, K. A., Astin, J., Pelletier, K. R., Levanovich, K., Baase, C. M., Park, Y. Y., & Bodnar, C. M. (2014). Mindfulness Goes to Work. Impact of an Online Workplace Intervention. Journal of Occupational and Environmental Medicine, 56(7), 721-731.

Pieter, A., & Wolf, G. (2014). Effekte betrieblicher Interventionen zur Stressreduktion auf das Wohlbefinden, ein metaanalytischer Review. Prävention und Gesundheitsförderung,9, 144–150.

Romhardt, K. (2016). Achtsame Kommunikation in Meetings. OrganisationsEntwicklung, 4,17-19.

Sauer, S., Andert, K., Kohls, N., & Müller, G. F. (2011). Mindful Leadership: Sind achtsame Führungskräfte leistungsfähigere Führungskräfte? Gruppendynamik & Organisationsberatung 42, 339-349

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