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Kann man Schmerzempfinden durch Achtsamkeit beeinflussen?

Von 
Felicitas Chiara Franz
|
20/04/2022
Studiert Psychologie an der HS Fresenius in Frankfurt.

Eine Zusammenfassung der zweiten Podcastfolge

In dieser Folge sprechen Tonka und Philipp mit Christopher Lalk. Christopher ist Psychologiestudent und hat sich in seiner Masterthesis mit dem Thema Achtsamkeit und Schmerzempfinden befasst. Im Laufe der Folge beschreibt er den Versuchsablauf, die Ergebnisse und spricht mit Tonka und Philipp über die Zukunft der Achtsamkeit.

Überblick - Worum geht es im Gespräch mit Christopher Lalk?

  • Wie untersuchte Christopher den Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Schmerzempfinden?
  • Was waren die Ergebnisse seiner Studie? 
  • Was sagt die Forschung bezüglich der Achtsamkeit?
  • Wo kann Achtsamkeit zur Gesundheitsförderung angewendet werden und wo wird sie bereits angewandt?
  • Welche Tipps hat Christopher für dich und/oder Anfänger im Bereich der Achtsamkeit?

Christopher Lalk ist Psychologiestudent und erforschte in seiner Masterthesis, ob sich Achtsamkeit positiv auf das Schmerzempfinden auswirkt.

Ablauf der Studie

Hierfür nutzte er den Cold Pressor Test. Dabei taucht die Versuchsperson ihre Hand in Eiswasser und die Zeit, bis sie ihre Hand vor Schmerzen wieder herauszieht, wird gemessen. Der Test wird in der Forschung zum Schmerzempfinden oft angewandt, da er keine gesundheitlichen Risiken mit sich bringt. Bei Christophers Versuch wurden die Versuchspersonen zunächst dazu aufgefordert den Cold Pressor Test durchzuführen. Wenn diese ihre Hand aber nach fünf Minuten noch nicht herausgezogen hatten, wurde der Test abgebrochen. Als nächster Schritt erfolgten verschiedene Retreats. Die Versuchspersonen wurden in drei Gruppen aufgeteilt.

Die erste Gruppe nahm an einer 15 minütigen Achtsamkeitsintervention teil, die zweite an einer Loving-Kindness Meditation, also einer Meditation, bei der man zunächst sich selbst und dann anderen Menschen Güte entgegenbringt, und die dritte Gruppe bekam einen vom Kontext befreiten Text, den sie lesen sollte. Die dritte Gruppe fungierte somit als Kontrollgruppe. Nach den Retreats wurden die Versuchspersonen dann erneut zu dem Cold Pressor Test aufgefordert.

Ergebnisse

Entgegen Christophers Erwartungen zeigten hierbei jedoch weder die Achtsamkeits-Gruppe noch die Loving-Kindness-Gruppe bessere Werte als die Kontrollgruppe. Er vermutet, dass es bei seiner Studie zum einen zu keinem signifikanten Ergebnis gekommen sein könnte, weil eine Erklärung bezüglich der Thematik für die Versuchspersonen fehlte, zum anderen hätte eine Ausschlussrate helfen können. So hätten Versuchspersonen, die bereits vor den Retreats ihre Hand für fünf Minuten im Wasser lassen konnten, vom Rest des Versuchs ausgeschlossen werden sollen, da sie unter den bestehenden Bedingungen keine Verbesserungen mehr zeigen konnten. Zudem muss auf die Motivation der Probanden geachtet werden, da diese maßgebliche Auswirkungen auf das Engagement der jeweiligen Teilnehmer hat. 

Trotz der erhaltenen Ergebnisse ist Christopher immer noch davon überzeugt, dass sich Achtsamkeit positiv auf das Schmerzempfinden auswirkt. So fand er bei seinen, der Studie vorangegangenen, Recherchen zu dem Thema auch viele wissenschaftliche Befunde, die zeigten, dass Achtsamkeit durchaus gegen das Schmerzempfinden helfen kann. Christopher erklärt, dass Achtsamkeit die Schmerzen nicht verschwinden lässt, jedoch dabei hilft, den Fokus auf etwas anderes zu richten. Das ist vor allem bei chronischen Schmerzen von großem Vorteil. Achtsamkeit wird bereits in der Akzeptanz- und Commitmenttherapie sowie in der Psychosomatik angewandt und wird auch weiterhin untersucht, damit sie in noch mehr Bereichen genutzt werden kann. 

Bezüglich der Loving-Kindness Meditation und ihren Auswirkungen auf das Schmerzempfinden gäbe es bis jetzt keine Studien, bewiesen sei jedoch, dass Praktizierende nach dieser deutlich besser gelaunt wären. Das konnte Christopher mit seiner Studie ebenfalls beweisen.

Christopher hat außerdem noch eine Ausbildung zum Yoga-Lehrer gemacht und gibt nun regelmäßig Yoga-Stunden. Hierbei legt er gerne zu Beginn eine kurze Meditation ein, damit die Teilnehmer sich entspannen können. Jedoch sieht Christopher Yoga und Meditation, entgegen ihres Ursprungs, als getrennte Konstrukte an, wobei das Eine den Praktizierenden jedoch zum Anderen hinleiten könnte.

Auf die Frage, wie Christopher zur Achtsamkeit fand, antwortet dieser, dass er über das Yoga den Weg dorthin fand, an einem MBSR-Kurs teilnahm, sich dann regelmäßig mit Freunden zum meditieren traf und mittlerweile über eine App meditiert. 

Tipps für Achtsamkeits-Anfänger

Als Tipp, um in die Achtsamkeit einzusteigen oder nicht aufzugeben, gibt er den Ratschlag, dass man kleine Schritte machen sollte, also nicht zu viel auf einmal von sich erwarten sollte. Außerdem hält er es für sinnvoll, sich mit dem Thema auseinander zu setzten, also zum Beispiel Bücher dazu zu lesen und sich eine Gruppe zu suchen, mit der man sein Interesse teilt. Zum Schluss des Interviews ruft Christopher dazu auf, dass das Wechselspiel zwischen Körper und Seele noch mehr erforscht werden sollte, da man damit unter anderem Trauma-Patienten sehr gut helfen könnte.

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