Emotionen: Geschichte, Funktionen und Gefühle

Published On
12 Juli 2023
Inhaltsübersicht

Seit jeher definiert sich der Mensch über seinen Verstand. Das ist es, was ihn auszeichnet und von den Tieren unterscheidet. Die Gefühlswelt des Menschen und damit auch seine Emotionen wurden etwa in der Philosophie jahrhundertelang als etwas betrachtet, das unterdrückt werden sollte. Ob Emotionen wirklich so negativ sind und welche Funktionen Emotionen erfüllen, erfährst du in diesem Blogartikel!

Emotionen: Definition

Emotionen gehören zur Gefühlswelt der Menschen dazu. Ebenso wie Stimmungen und Gefühle drücken sie aus, wie ein Mensch sich gerade fühlt. Sie sind komplexe psychologische Phänomene, die subjektive Erfahrungen, physiologische Reaktionen, kognitive Einschätzungen und Verhaltensäußerungen umfassen.

Bei Emotionen handelt es sich um subjektive Gefühle oder Erfahrungen wie Glück, Traurigkeit, Wut oder Angst. Diese Erfahrungen können in ihrer Intensität, Dauer und Qualität variieren und sind sehr persönlich und subjektiv für jede:n Einzelne:n. Außerdem werden sie von physiologischen Veränderungen im Körper begleitet. Bei Angst kann der Körper beispielsweise eine erhöhte Herzfrequenz, eine schnelle Atmung, Schweißausbrüche oder Veränderungen der Muskelspannung aufweisen. Diese physiologischen Reaktionen sind mit der Aktivierung des autonomen Nervensystems verbunden.

Kennzeichnend sind zudem kognitive Bewertungen des Auslösers. Sie werden durch kognitive Prozesse beeinflusst, einschließlich der Bewertung und Interpretation von Ereignissen oder Situationen. Die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen und interpretieren, kann unsere emotionalen Reaktionen beeinflussen. So können beispielsweise zwei Personen aufgrund ihrer kognitiven Einschätzungen und Überzeugungen unterschiedliche emotionale Reaktionen auf dasselbe Ereignis zeigen.

Ein Kennzeichen von Emotionen, das sie auch von Gefühlen und Stimmungen abhebt, ist die Tatsache, dass sie oft durch Mimik, Körpersprache, Stimmlage und Gesten ausgedrückt werden. Diese Ausdrucksverhaltensweisen vermitteln anderen soziale Signale und können zwischenmenschliche Interaktionen beeinflussen.

Wie haben Philosoph:innen Emotionen bewertet?

Bereits seit der Antike diskutieren Philosoph:innen auch über die Gefühle des Menschen. In der antiken Philosophie wurde diesen jedoch kein hoher Wert zugesprochen. Um moralisch korrekt handeln zu können, mussten sie gezügelt werden. Der Verstand galt als das wichtigste Mittel, um ethisch zu handeln. Wer sich dagegen seinen Gefühlsregungen hingab, galt als schwacher Mensch. Stark und ethisch korrekt konnte man demnach nur sein, wenn die Gefühle unterdrückt wurden.

Die Philosophen untersuchen die Rolle der Emotionen, der Gefühle und Gedanken des Menschen. Wir sehen einig davon.

Auch der wohl bekannteste deutsche Philosoph, Immanuel Kant, hat eine Philosophie vertreten, die den menschlichen Verstand als das entscheidende Kriterium für ethisches und damit gutes Handeln ansah. Kant, der oft als Ausgangspunkt des Deutschen Idealismus angesehen wird, hat sich in seinen Werken nicht ausführlich mit menschlichen Emotionen befasst. Er erkannte jedoch die Rolle der Emotionen bei der moralischen Beurteilung an und betonte die Bedeutung der Vernunft bei der Beherrschung von Gefühlen. Nach Kant sollten Gefühle einer rationalen Kontrolle unterliegen und unsere moralischen Entscheidungen nicht dominieren. Somit vertrat er eine Position, die stark an die klassischen antiken Denker erinnert.

Auch wenn nicht alle Philosophen dieses negative Bild zeichneten und etwa der bereits genannte Deutsche Idealismus keine einheitliche Sichtweise auf Gefühle vertrat, so zeigen doch die hier vorgestellten, sehr einflussreichen Denker der Philosophie, welch niedrigen Stellenwert man den Emotionen zugesprochen hat und noch immer zuspricht.

Welche Funktion haben Emotionen?

Ein anderes Bild zeichnen die Naturwissenschaften. Evolutionsbiolog:innen etwa sind davon überzeugt, dass einige Emotionen (die häufig als primäre Emotionen bezeichnet werden) überlebensnotwendige Funktionen erfüllen und so zum Überleben des Individuums und der Art beigetragen haben und noch immer beitragen.

So warnt uns beispielsweise Angst vor potenziellen Bedrohungen, Ekel bewahrt uns und andere davor, uns zu vergiften, Traurigkeit kann das Bedürfnis nach Unterstützung oder Selbstbeobachtung signalisieren und Freude fördert soziale Bindungen und belohnungsorientiertes Verhalten.

Für die Psychologie ebenfalls von Interesse ist die Entwicklung und Sozialisation von Emotionen, denn sie machen eine Entwicklung durch und werden durch soziale und kulturelle Faktoren geprägt. Menschen lernen durch Sozialisationsprozesse und kulturelle Normen, wie sie Gefühle erkennen, benennen, regulieren und ausdrücken können.

Zwar sind die Emotionen angeboren und bei allen Menschen universell vorhanden, dennoch reagieren die Menschen auf denselben Auslöser sehr unterschiedlich. Neben individuellen Faktoren kann das auch an der Kultur liegen, in der man groß geworden ist. Der Ekel verdeutlicht dies ganz gut. Obwohl der Ekel angeboren ist und eine evolutionsbiologische Funktion erfüllt und uns vor ungenießbarem Essen und Krankheitserregern fern halten soll, reagieren wir auch mit Ekel auf Lebensmittel, die keines der genannten Kriterien erfüllt, Insekten etwa.

Auf diese Weise drücken Emotionen auch eine Gruppenzugehörigkeit aus und signalisieren uns und anderen, welche Normen und Werte uns wichtig sind. Sie regulieren somit auch unser soziales Zusammenleben.

Positive und negative Emotionen

Dennoch bleibt die Frage offen, ob Gefühle vielleicht nützlich, aber trotzdem negativ sind und besser unterdrückt werden sollten. Eine weitere gängige Einteilung besteht in der Unterscheidung zwischen positiven und negativen Emotionen. Als positiv werden diejenigen Gefühle bezeichnet, deren Auslöser von uns als erstrebenswert empfunden werden und deren Empfindung auch als angenehm beschrieben werden kann. Beispiele hierfür wären also Freude oder Überraschung.

Der größte Teil der Emotionen hat einen eher unerfreulichen Auslöser und löst heftige negative Reaktionen hervor, sei es bei Trauer, Wut oder Scham. Dennoch ist es wichtig, Gefühle so zu akzeptieren wie sie sind. Ein Unterdrücken oder das Ersetzen von negativen Emotionen durch positive kann letzten Endes nicht die Lösung sein. Aber die psychische und die physische Gesundheit hängen zusammen und das Unterdrücken des Einen kann auch negative Folgen für das Andere haben.

Um die psychologische Bedeutung von Emotionen zu verstehen, müssen ihre zugrundeliegenden Mechanismen, ihr Zusammenspiel mit Kognition und Physiologie sowie ihre Rolle im menschlichen Erleben und Verhalten untersucht werden. Psycholog:innen setzen verschiedene Forschungsmethoden ein, darunter Laborexperimente, Umfragen, Interviews und Beobachtungen, um menschliche Gefühle und ihre psychologischen Auswirkungen zu untersuchen. Durch die wissenschaftliche Untersuchung wollen Psycholog:innen Erkenntnisse über die menschliche Natur, die psychische Gesundheit, soziale Interaktionen und das allgemeine Wohlbefinden gewinnen. Denn Gefühle gehören wie der Verstand zum Menschen dazu und definieren ihn gleichermaßen. Das zu akzeptieren, Freundschaft auch mit den negativen Empfindungen zu schließen und ihnen auch erlauben, da zu sein, fällt vielleicht zunächst schwer, wäre aber der achtsamere Umgang mit den eigenen Gefühlen. Denn auch das macht das Menschsein aus und gehört zum Leben dazu.

Emotionen: Eine Wage, die positive Emotionen wie Liebe und menschlichen Verstand darstellt.

Dankbarkeit im Alltag

Nun hast du einiges über die menschlichen Emotionen gelernt und dass es wichtig sein kann, diese zu akzeptieren und zuzulassen. Achtsamkeit ist das Bemerken von Gefühlen, Gedanken und körperlichen Reaktionen und kann daher wichtig beim Akzeptieren aufkommender Gefühle sein. Wusstest du, dass uns auch Dankbarkeit im Alltag dabei helfen kann? Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann lies doch unseren Blogartikel „Dankbarkeit im Alltag“. Viel Spaß beim Lesen!

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Quellen

Ekman, Paul (2016). Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. 2. Auflage. Heidelberg/ Berlin.

Izard, Carroll E. (1981). Die Emotionen des Menschen. Eine Einführung in die Grundlagen der Emotionspsychologie. Weinheim/ Basel. Schneider, Anne (2012). Das Verhältnis von Emotion und Kognition. Emotionsphilosophie von René Descartes bis in die Gegenwart. Hamburg.

 
 

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