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Ein Begriff, an dem heutzutage niemand mehr vorbeikommt. Im Internet, auf Messen und in Fitnessstudios wird mit dem Wort „Achtsamkeit“ geworben. Es gibt sogar ganze Zeitschriften, die sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema auseinandersetzen und auch wir von Mindfulife haben die Achtsamkeitsmeditation zum Herzstück unseres Unternehmens erklärt.

Aber was ist Achtsamkeit eigentlich?

Doris Kirch, Leiterin des Deutschen Fachzentrums für Achtsamkeit, definiert sie als „eine besondere Form der Aufmerksamkeit“, die den gegenwärtigen Moment bewusst wahrnimmt, ohne ihn zu bewerten.

Genau in diesem Satz stecken schon zwei Kernprinzipien der Achtsamkeit:

Das bewusste Wahrnehmen des Moments, welches den Fokus auf das Hier und Jetzt legt, sowie eine Wertungsfreiheit, mit welcher jegliche Erfahrung angenommen wird, ohne sie mit Adjektiven wie „gut“ oder „schlecht“ zu kategorisieren.

Dies klingt zunächst ganz einfach – wenn Sie sich jedoch etwas genauer damit auseinandersetzen, werden Sie schnell merken, dass es ganz so leicht nicht ist.

Durch die zunehmend fortschreitende Digitalisierung und die permanenten Anforderungen, die sowohl im Berufs- als auch im Privatleben an uns gestellt werden, fällt es uns häufig schwer, den Moment bewusst zu erleben. Ständig wird von uns erwartet, dass wir einen konkreten Plan für die Zukunft oder lustige Anekdoten aus der Vergangenheit parat haben, um bestmöglich auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Der vergessene Moment.

Dabei gerät das Hier und Jetzt oft in Vergessenheit, denn gedanklich sind wir bereits dabei, die Einkaufsliste abzuarbeiten oder schnell die letzten Emails durchzugehen, die wir noch beantworten müssen. Dies geschieht häufig zulasten unserer eigenen Bedürfnisse. Denken Sie einmal darüber nach, wie oft Sie in der letzten Woche Hunger und Durst ignoriert oder schlichtweg nicht wahrgenommen haben, weil Sie so sehr damit beschäftigt waren, „nur noch schnell“ etwas fertig zu machen. Die Achtsamkeitsmeditation hilft uns, wieder bewusster wahrzunehmen, was um uns herum und, fast noch wichtiger, in uns geschieht. Durch die regelmäßige Praxis erlernen wir außerdem eine offene Grundhaltung, die uns mehr Gelassenheit verleiht, indem wir Erlebnissen wertfreier gegenüberstehen können.

Unterschied zwischen Achtsamkeit und Meditation.

Was genau haben Achtsamkeit und Meditation miteinander zu tun? Diese Frage lässt sich dann beantworten, wenn wir die Meditation und ihre Geschichte etwas näher betrachten. Die Meditation hat viele Gesichter. Das klassische Bild von einem in Stille sitzenden Mönch, das vielen Menschen unwillkürlich vor Augen steht, sobald sie an Meditation denken, bildet dabei nur eine Form ab. Auch Tai-Chi, Mantra-Meditationen, Qi Gong und Yoga bilden eigenständige Meditationsformen – ebenso wie die Achtsamkeitsmeditation. Die Begriffstrennung ist an dieser Stelle knifflig geworden, da „Achtsamkeit“ in den letzten Jahren als Begriff für Alles und Nichts zugleich verwendet wurde. Achtsam sein bedeutet aber nicht, mit einem Gegenstand vorsichtig umzugehen oder sich ausgiebig mit den Gründen der eigenen aktuellen Gefühlslage auseinanderzusetzen. Im Gegenteil – jemand mit einer achtsamen Grundhaltung nimmt den Moment bewusst und wertfrei wahr, ohne auf die Suche nach Gründen für oder Schlussfolgerungen aus der aktuellen Situation zu gehen. Genau über diese Grundhaltung findet sich nun wieder der Weg zur Meditation, wie wir sie uns häufig vorstellen, und schließt den Kreis: In Momenten der Stille, in denen wir unsere Aufmerksamkeit ganz bewusst und ruhig auf den Augenblick richten, können wir diese Grundhaltung erlernen und verinnerlichen.

Diese Überlegungen sind nicht neu.

Natürlich ist Achtsamkeit kein neues Konzept, das der moderne Mensch im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt hat. Die Meditation – auch die Achtsamkeitsmeditation – hat jahrtausendealte Wurzeln. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen finden sich bereits aus den Jahren um 1.500 v. Chr. in den Veden, Sammlungen religiöser hinduistischer Texte. In der buddhistischen Tradition finden sich schriftliche Aufzeichnungen um das Jahr 100 v. Chr., was immerhin noch rund 2118 Jahre vor dem heutigen Tag sind. Eine unvorstellbar lange Zeit – und nur einer der Belege dafür, dass Meditation schon lange vor unserer Zeit als wertvolle Praxis erkannt wurde. Aber nicht nur in fernöstlichen Religionen, sondern auch im Judentum, Christentum und dem Islam finden sich Aufzeichnungen über unterschiedliche Formen der Meditationspraxis.

Etwas zeitgemäßer, bitte.

In der heutigen Zeit wird die Achtsamkeitsmeditation oft als Gegenentwurf zum stressigen Berufsalltag ohne religiöse oder spirituelle Komponente angewandt. Das Ziel einer weltlichen achtsamen Praxis liegt dabei nicht im Weg zur Erleuchtung, wie es im Buddhismus der Fall ist, sondern darin, von den positiven Auswirkungen der Achtsamkeitsmeditation im Alltag zu profitieren. Die Vorteile der achtsamen Praxis sind vielfältig. Seit einigen Jahren nimmt die Forschung darüber rapide zu, und die bisherigen Ergebnisse sind in vielen Bereichen aussagekräftig.

Wirkungen regelmäßiger Achtsamkeitsmeditation.

Zahlreiche Studien belegen die positiven Auswirkungen von regelmäßiger Achtsamkeitsmeditation. Durch das bewusste, wertfreie Erleben des Moments können der eigene Körper und die eigenen Gefühle wahrgenommen werden, ohne dass sie uns direkt unter Handlungsdruck setzen. Die Aufmerksamkeit wird geschult und die Konzentrationsfähigkeit kann somit gesteigert werden. Wir können lernen, uns nicht mehr allzu sehr von unserer aktuellen Tätigkeit ablenken zu lassen und das gedankliche „Ich muss aber noch…!“, während wir unserem Körper und Geist eigentlich eine wohlverdiente Verschnaufpause gönnen, kann – und das ist wichtig – losgelassen werden. Nicht weggedrückt. Denn im Gegensatz zur häufig angetroffenen Überzeugung, dass meditieren bedeutet, an überhaupt nichts zu denken, ist das nicht der Fall. Durch das bewusste Wahrnehmen unserer Gedanken und den Verzicht darauf, sie als unangenehm, dringend oder irrelevant einzustufen, können wir leichter mit unserer Aufmerksamkeit zum Jetzt zurückkehren. Das kann befreiend sein und Stress reduzieren – eine weitere wissenschaftlich belegte Wirkung.

Quellen:

Tang, Y. Y., Hölzel, B. K., & Posner, M. I. (2015). The neuroscience of mindfulness

meditation. Nature Reviews Neuroscience, 16(4), 213.

Hölzel, B. K., Lazar, S. W., Gard, T., Schuman-Olivier, Z., Vago, D. R., & Ott, U.

(2011). How does mindfulness meditation work? Proposing mechanisms of action from a conceptual and neural perspective. Perspectives on psychological science, 6(6), 537-559.

Internetquellen:

https://dfme-achtsamkeit.de/was-ist-achtsamkeit-wirkung/ (abgerufen am 20.06.2018)

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