Wie wertvoll Achtsamkeit in der Schule ist

Published On
16 August 2023
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In einer Welt, die von ständigen Ablenkungen und hohem Leistungsdruck geprägt ist, ist Achtsamkeit ein wertvolles Werkzeug in der Bildungsarbeit. Die Integration in den Schulalltag kann nicht nur dazu beitragen, die Konzentration und mentale Gesundheit der Schüler:innen zu verbessern, sondern auch das gesamte Schulklima positiv beeinflussen. In diesem Artikel erfährst du, wie Achtsamkeit in den Schulalltag integriert werden kann und welche Vorteile sich daraus für das Miteinander ergeben.

Achtsamkeitsübungen in der Schule

Durch regelmäßige Achtsamkeitsübungen können Schüler:innen lernen, im Hier und Jetzt präsent zu sein. Diese Übungen reichen von einfachen Atemtechniken, über Body-Scan-Übungen, bis hin zu kurzen Meditationen. Indem Schüler:innen lernen, sich bewusst auf ihre gegenwärtige Erfahrung zu konzentrieren, können sie sich besser auf den Lernprozess einlassen und die Fähigkeit entwickeln, Ablenkungen zu reduzieren und den Fokus zu schärfen. Wie man Kindern am besten das Meditieren beibringt, erfährst du in unserem Blogartikel Kindermeditation.

Besonders in jüngeren Lerngruppen beliebt, bietet sich ein kurzer Morgenkreis auch bei älteren Schüler:innen an. Eine gemeinschaftliche Achtsamkeitsübung, oder ein Moment der Stille kann dazu beitragen, den Fokus für den bevorstehenden Tag zu schärfen und eine ruhige Grundlage für den Lernprozess zu schaffen. Hier sollten die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Schüler:innen im Blick behalten werden und Länge und Art der Achtsamkeitsübung variiert oder individuell angepasst werden.

Eine gemeinschaftliche Achtsamkeitsübung zwischen Schülern in einem Klassenzimmer.

Achtsamkeitsübungen können auch vor oder nach längeren Unterrichtseinheiten eingebaut werden, um die Konzentration zu steigern und den Fokus auf den Lerninhalt zu lenken. Als festes gemeinsames Ritual oder individuelle Impulskarten mit einer Übungsanleitung lassen sie sich hervorragend in der Schulalltag integrieren. Achtsamkeit kann dabei in verschiedenen Fächern miteinbezogen werden, sei es im Kunstunterricht zur Förderung der kreativen Ausdrucksfähigkeit oder im Sportunterricht, um die Körperwahrnehmung und Konzentration zu steigern. Auch Musik kann auf vielfältige Art und Weise mit Achtsamkeitsübungen verknüpft werden.

Projekttage zur Förderung der mentalen Gesundheit bieten eine hervorragende Gelegenheit, das Bewusstsein für die tiefgreifenden Auswirkungen von Achtsamkeit und Meditationspraxis auf die psychische Gesundheit zu schärfen. Durch gezielte Projekte und Aktivitäten können Schüler:innen nicht nur theoretisches Wissen erlangen, sondern auch praktische Erfahrungen sammeln, die ihre eigene mentale Gesundheit stärken. So kann der Ursprung von Meditation in unterschiedlichen Kulturkreisen gemeinsam erforscht und verschiedene Meditationsarten ausprobiert werden. Auch Ausflüge auf das Schulgelände, in die nähere Umgebung oder in die Natur können dazu genutzt werden, die Umwelt mit allen Sinnen bewusst wahrzunehmen – Wie riecht der Wald? Welche Geräusche machen meine Schritte auf unterschiedlichen Untergründen?

Ein achtsames Mittagessen in der Kantine, eine Pausenmeditation, eine Achtsamkeits-AG – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, solange die Achtsamkeitsübung in einem geschützten Rahmen stattfindet. Lehrer:innen sollten im Blick behalten, dass gerade in Momenten der Stille, Gefühle zu Tage treten können, die einfühlsam begleitet werden müssen.

Hier sollte auch die Diversität der Schüler:innenschaft berücksichtigt werden. Bei der Integration von Achtsamkeit ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und kulturelle Vielfalt der Schüler:innen zu berücksichtigen. Indem Übungen angepasst werden, um verschiedene Hintergründe und Erfahrungen einzubeziehen, kann eine inklusive Lernumgebung geschaffen werden, in der sich alle Schüler:innen unterstützt und respektiert fühlen.

Gewaltfreie Kommunikation in der Schule

Wie geht es dir gerade? Was sind deine Bedürfnisse? Wie können wir unseren Konflikt lösen? Die Integration von gewaltfreier Kommunikation kann das soziale Klima in Schulen weiter verbessern und dazu beitragen, ein respektvolles und empathisches Miteinander zu fördern. Gewaltfreie Kommunikation, entwickelt von Marshall B. Rosenberg, ist ein Ansatz, der darauf abzielt, eine Verbindung zu anderen aufzubauen und Konflikte auf eine Weise zu lösen, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt.

Die Kombination von Achtsamkeit und gewaltfreier Kommunikation kann Schüler:innen wie Lehrer:innen helfen, ihre eigenen Emotionen und Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und gleichzeitig einfühlsamer auf die Emotionen und Bedürfnisse anderer einzugehen. Dies schafft einen Raum für konstruktive Dialoge und unterstützt die Entwicklung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Indem Schüler:innen lernen, achtsam zuzuhören und mitfühlend zu sprechen, können sie Konflikte frühzeitig erkennen und auf eine Art und Weise lösen, die die Beziehungen stärkt.

Im Schulalltag kann gewaltfreie Kommunikation mit Übungen und Ritualen wie achtsamem Zuhören, Gefühls- und Bedürfniskarten, emotionalen Check-ins, Gefühlsradar-Übungen und Meditationen integriert werden. Essentiell ist auch das Vorbild der Lehrer:innen, die gewaltfreie Kommunikation im Umgang miteinander vorleben können. Da es viel Übung, Geduld und Selbstreflexion braucht, kann sich das Kollegium bei der Umsetzung mit fundierten Fortbildungen und Supervisionen Unterstützung holen.

Falls du dich auch für Psychoedukation im schulischen Kontext interessierst, haben wir hier den passenden Beitrag für dich.

Medienbildung in der Schule

Gerade Plattformen wie TikTok sind darauf ausgelegt, die Aufmerksamkeit schnell von einem Video zum nächsten zu lenken. Der ständige Wechsel von Inhalten kann die Aufmerksamkeitsspanne beeinträchtigen und intensive emotionale Reaktionen hervorrufen, die das Gehirn (über)fordern. Social-Media-Plattformen können außerdem das Gefühl verstärken, ständig mithalten und sich selbst präsentieren zu müssen.

Mithilfe von Achtsamkeitsübungen können sich Schüler:innen bewusst machen, wie viel Zeit sie online verbringen und wie sie sich dabei fühlen. Dadurch entwickeln sie eine kritische Selbstreflexion und können beurteilen, ob der exzessive Medienkonsum bei ihnen selbst zu Gefühlen von Stress, Angst oder sozialer Isolation führt. Übungen können dann als Werkzeug dienen, um regelmäßig Pausen vom Smartphone einzulegen und mit emotionalen Höhen und Tiefen umzugehen.

Hate Speech ist omnipräsent. Achtsamkeit fördert die bewusste Wahl von Worten und Handlungen. Jugendliche lernen, ihre digitalen Interaktionen achtsamer zu gestalten und respektvollere, empathischere Kommunikationsweisen zu entwickeln.

Mithilfe eines Medien-Tagebuchs können Schüler:innen bewusster auf ihren Medienkonsum achten. Diese Übung ermöglicht es ihnen, nicht nur die verbrachte Zeit, sondern auch ihre Emotionen und Stimmungen während des Konsums zu reflektieren. Eine solche Reflexion kann dabei helfen, den Zusammenhang zwischen Medienkonsum und emotionaler Gesundheit besser zu verstehen.

Ein Tag ohne Smartphone? Die Einführung von „Digital Detox”-Tagen in Schulen bietet Schüler:innen die Möglichkeit, sich bewusst von sozialen Medien zu entkoppeln und alternative Aktivitäten zu erkunden. Dies fördert nicht nur eine gesunde Balance zwischen Online- und Offline-Aktivitäten, sondern ermöglicht auch die Stärkung sozialer Verbindungen und die Förderung kreativer Aktivitäten außerhalb der digitalen Welt.

Achtsames Teilen: Diese Übung fördert bewusstes und einfühlsames Teilen von Inhalten in sozialen Medien. Schüler:innen lernen, kritisch darüber nachzudenken, wie ihre Posts auf andere wirken könnten, und entwickeln die Fähigkeit, respektvolle und unterstützende Beiträge zu erstellen.

Was kann Achtsamkeit in der Schule bewirken?

Was in unserem Gehirn passiert, wenn wir Achtsamkeit und Meditation praktizieren, ist vielleicht von außen nicht sichtbar, aber schlichtweg faszinierend und erklärt, warum es das Lernen und das Miteinander positiv beeinflussen kann.

Neurowissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Achtsamkeitspraktiken strukturelle Veränderungen im Gehirn bewirken können. Bereiche, die mit Aufmerksamkeit, emotionaler Regulation und Mitgefühl in Verbindung stehen, können gestärkt werden. Gleichzeitig kann die Aktivität in der Amygdala, die für die Reaktion auf Stress verantwortlich ist, abnehmen. Diese neurologischen Veränderungen legen nahe, dass Achtsamkeit das Gehirn auf positive Weise neu verdrahtet und die Resilienz gegenüber Stress und negativen Emotionen stärkt.

Achtsamkeitstraining kann die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Schüler:innen lernen, Ablenkungen besser zu bewältigen und ihren Fokus auf die gegenwärtige Aufgabe zu lenken. Dies kann nicht nur das Lernverhalten im Klassenzimmer verbessern, sondern auch die Schüler:innen darauf vorbereiten, sich im Alltag besser zu fokussieren und Aufgaben effizient zu bewältigen. Durch Achtsamkeitspraktiken kann die Aktivität des sympathischen Nervensystems reduziert werden, das für die sogenannte „Kampf- oder Fluchtreaktion” verantwortlich ist. Indem diese Reaktion gedämpft wird, können Schüler:innen eine Verringerung von Stress und Angst erleben. Sie reagieren möglicherweise ruhiger und gelassener auf Stressoren, sowohl im schulischen, als auch im persönlichen Kontext.

Meditation und Achtsamkeit können wirksame Strategien zur Bewältigung von Prüfungsangst im schulischen Kontext sein. Schüler:innen können von verschiedenen Ansätzen profitieren, um ihre Angst vor Prüfungen zu reduzieren und besser mit Stress umzugehen. Die Entwicklung von Selbstmitgefühl durch Meditation kann dabei unterstützen, mit sich selbst einfühlsamer umzugehen und Misserfolgsängste zu mindern. Visualisierungsübungen können helfen, eine positive Einstellung zur Prüfungssituation zu entwickeln. Durch regelmäßige Praxis können Schüler:innen langfristig ihre Fähigkeit zur Stressbewältigung und Emotionsregulation stärken. Ganz wichtig: Die Integration in den Schulalltag fördert nicht nur die Bewältigung von Prüfungsangst, sondern auch eine gesündere Einstellung zum Lernen und zur Leistung insgesamt.

Herausforderungen und mögliche Lösungen

Die Integration von Achtsamkeit in den Schulalltag kann bei allen Chancen, die sie bietet, in der Praxis auf einige Herausforderungen stoßen:

Mangelnde Ressourcen: Schulen könnten Schwierigkeiten haben, die notwendigen Ressourcen für Schulungen und Programme zur Verfügung zu stellen. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit Bildungsbehörden, Fördervereinen und Eltern erforderlich, um die finanziellen Hürden zu überwinden. Gerade nach der Corona-Pandemie wurden in den Bundesländern einige Fördertöpfe und -programme zur mentalen Gesundheit ins Leben gerufen, die Achtsamkeit und Meditation in der Schule fördern.

Widerstand gegenüber Neuem: Lehrkräfte, Schüler:innen und Eltern sind möglicherweise skeptisch. Kommt miteinander ins Gespräch! Eine umfassende Kommunikation über die Vorteile und wissenschaftlichen Erkenntnisse kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Akzeptanz zu fördern.

Zeitliche Einschränkungen: Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Der enge Lehrplan und der vollgepackte Schulalltag lassen auf den ersten Blick keine Lücke für die Implementierung. Durch die Integration von Achtsamkeit in bestehende Aktivitäten, wie den Morgenkreis oder den Sportunterricht, kann ganz simpel eine Balance gefunden werden.

Individuelle Bedürfnisse: Jede:r Schüler:in hat unterschiedliche Bedürfnisse und reagiert anders auf Meditationspraktiken. Die Flexibilität, verschiedene Ansätze anzubieten, und die Berücksichtigung der Schülerfeedbacks können dabei helfen, auf die Vielfalt der Bedürfnisse einzugehen. Es wird sich lohnen!

Messung der Auswirkungen: Bringt das alles langfristig überhaupt etwas? Die Bewertung der Effektivität von Achtsamkeitsprogrammen stellt eine Herausforderung dar. Die Entwicklung geeigneter Bewertungsmethoden und die Durchführung von Langzeitstudien sind notwendig, um die positiven Auswirkungen weiterhin zu erfassen und laufende Programme anzupassen und weiterzuentwickeln.

Schüler, die sich über ihre gute Noten in der Schule freuen.

Die Integration von Achtsamkeit in den Schulalltag hat das Potenzial, die Art und Weise, wie Schüler:innen lernen und sich entwickeln, tiefgreifend zu verändern. Durch regelmäßige Übungen, die Förderung emotionaler Intelligenz und Empathie, sowie gezielte Stressbewältigung können Schulen zu einem Ort des respektvollen Miteinanders und nachhaltigen Lernens werden. Die positiven Auswirkungen auf das Gehirn unterstützen nicht nur die schulischen Leistungen, sondern bereiten Schüler:innen auch auf ein Leben vor, in dem sie bewusst und mitfühlend agieren können. Durch die Verankerung im Bildungssystem und die Zusammenarbeit mit Eltern können Schulen eine unterstützende Lernumgebung schaffen, die alle dazu ermutigt, präsent und achtsam im Umgang miteinander und mit der Umwelt zu sein.

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