Vielleicht kennst Du es aus eigener Erfahrung: Das Wetter kann einen großen Einfluss auf unsere Psyche haben. Sehen wir die Sonne hinter einer dichten Wolkendecke tagelang gar nicht, fühlen wir uns müde, schlapp, antriebslos und schlecht gelaunt. An den ersten schönen Frühlingstagen hingegen verspüren viele Menschen einen regelrechten Energiekick. Doch warum ist das so? Was sagt die Wissenschaft zu dem Thema – und kann das Wetter sogar zu einer Gefahr für die mentale Gesundheit werden?
Wie beeinflusst Regen die Psyche?
Wie oben beschrieben, nehmen die meisten Menschen an, dass sie sich an sonnigen Tagen besser fühlen als bei trübem, regnerischem Wetter. Wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang bisher in einigen Studien erforscht worden. Eine dänische Studie konnte zeigen, dass Probanden sich an bewölkten Tagen signifikant häufiger depressiv fühlten als an sonnigen Tagen. Allerdings waren die Ergebnisse der Studie nicht völlig konsistent: Es gab auch einige Teilnehmer, die keine Verschlechterung ihrer Stimmung feststellten. Einige fühlten sich an verregneten Tagen sogar besser als bei schönem Wetter.
Diese Inkohärenz bestätigt auch eine weitere Studie aus den Niederlanden. Hier erhoben Forschende bei erwachsenen Personen und deren Mutter über einen Monat hinweg die tägliche Stimmung. Diese Daten wurden in Beziehung gesetzt zu objektiven Wetterdaten an den jeweiligen Tagen. Es zeigte sich, dass es Personen gab, bei denen Regentage eine negative Auswirkung auf die Stimmung hatten, während andere Personen vom Wetter unbeeinflusst blieben. Außerdem konnten die Forschenden zeigen, dass Teilnehmende überzufällige Ähnlichkeiten zu ihren Müttern aufwiesen. Daraus schlossen die Forschenden, dass es Menschen gibt, die auf das Wetter reagieren, während andere unbeeinflusst bleiben, und dass diese Reaktivität möglicherweise genetisch bedingt sein könnte.
Welche Rolle spielt die Sonne für unsere mentale Gesundheit?
Während ungeschütztes Sonnenbaden aus guten Gründen kritisch gesehen wird, hat die Sonne auch zahlreiche positive Auswirkungen auf unseren Körper. Vielleicht hast Du schon einmal davon gehört, dass unser Körper nur durch Sonneneinstrahlung Vitamin D bilden kann. Und auch auf anderen Wegen wirkt die Sonne auf unsere mentale Verfassung.

Was hat Vitamin D mit unserer Psyche zu tun?
Besonders bei der Produktion von Vitamin D ist unser Körper von der Sonne abhängig. Ganz von selbst bilden können wir das Vitamin nicht – und in unseren Breiten decken wir über die Ernährung nur etwa 10 bis 20 Prozent unseres Bedarfs ab. Damit unser Körper die restlichen 80 bis 90 Prozent aufbauen kann, benötigt er die UV-Strahlung der Sonne. Sie sorgen dafür, dass in Leber und Niere eine Vorstufe zum eigentlichen Vitamin D umgebaut werden kann.
Vitamin D ist im Körper beteiligt an der Produktion von Hormonen, zum Beispiel auch von Serotonin und Dopamin. Beide spielen eine Rolle für unsere Stimmung und unserer Aktivität. Ein Mangel an Vitamin D wird deshalb oft mit Depressionen in Verbindung gebracht und wird oft als eine Erklärung für Winterdepressionen in Verbindung mit trübem, sonnenarmem Wetter herangezogen.
Wissenschaftlich ist ein Mangel an Vitamin D aber zumindest als alleinige Erklärung nicht ausreichend. In klinischen Studien hatte die Gabe von Vitamin D zum Teil keinen Effekt auf depressive Symptome. Auch ist die Rolle von Vitamin D bei der Entstehung von Depressionen noch gar nicht ausreichend erklärt und Gegenstand weiterer Forschung. Von der Einnahme von Vitamin-Präparaten ohne ärztliche Diagnostik raten Ernährungswissenschaftler entschieden ab.
Wie wirkt das Licht der Sonne?
Neben der UV-Strahlung wirkt die Sonne aber noch auf einem anderen Weg auf unseren Hormonhaushalt: Durch ihr Licht. Licht hat Einfluss auf viele Prozesse in unserem Körper, unter anderem auf das Schlafhormon Melatonin, dessen Produktion von hellem Licht unterdrückt wird. Manche Forscher vermuten darin eine Erklärung für Winterdepressionen: Durch kürzere Tage und trüberes Wetter kommt es zu einer erhöhten Melatonin-Produktion.
Wissenschaftlich ist dieser Mechanismus noch nicht hinreichend belegt. Der Zusammenhang zwischen Licht und Psyche hingegen gilt als evident. Lichttherapie ist eine Säule der Behandlung bei Depressionen und zeigt in klinischen Studien gute Effekte. Zwar ist die Wirkung als alleiniges Behandlungsmittel eher schwach, aber es gibt Hinweise darauf, dass eine zusätzliche Lichttherapie dafür sorgt, dass andere Behandlungsmethoden wie Psychotherapie oder Medikamente deutliche schneller wirken.
Wenn wir uns diese Effekte anschauen, ist gut vorstellbar, dass tagelanges trübes Wetter ohne viel Sonnenlicht ebenfalls negative Effekte auf unsere mentale Gesundheit haben kann. Möglicherweise gibt es auch hier Menschen, die auf den Entzug von Licht sensitiver reagieren, während andere den Unterscheid nicht so stark spüren, wie es die Ergebnisse der dänischen Studie nahelegen.
Welchen Effekt hat Hitze auf die Psyche?
Im Zuge des Klimawandels haben wir es auch in Mitteleuropa immer öfter mit extremem Wetter zu tun. Hitzewellen nehmen in den letzten Jahrzehnten zu – und sind nicht nur für unsere körperliche Gesundheit ein Risiko.

Studien zeigen, dass die Inanspruchnahme psychiatrischer Notdienste und die Häufigkeit von Suiziden in Hitzeperioden steigen. Auch das Risiko für das Neuauftreten oder die Symptomverschlechterung von Stimmungs- und Angststörungen steigen, ebenso wie demenzielle oder psychotische Symptome. Die Zahlen sind hier so alarmierend, dass die Bundespsychotherapeutenkammer 2023 einen „Musterhitzeschutzplan für ambulante psychotherapeutische Praxen“ herausgegeben haben, um niedergelassene Psychotherapeuten in Hitzeperioden eine Hilfestellung an die Hand zu geben.
Extrem heißes Wetter, also anhaltende Temperaturen von über 30°C ohne eine ausreichende Abkühlung in der Nacht haben auf uns eine dämpfende Wirkung: Durch den Hitzestress sind wir körperlich erschöpft, werden deshalb lethargisch und teilnahmslos und sind weniger leistungsfähig. Gleichzeitig ändert sich unser Verhalten, indem die allgemeine Aggressionsbereitschaft steigt. Dies lässt sich statistisch nachweisen, beispielsweise durch eine Zunahme an Gewaltverbrechen in Hitzeperioden. Aus all diesen Gründen fordern Experten, bei Hitzeaktionsplänen und Anpassungsstrategien auch die mentale Gesundheit stärker in den Blick zu nehmen.
Wie kannst Du Dich vor negativen Effekten des Wetters schützen?
Wie wir Dir bereits erklärt haben, scheint es laut wissenschaftlichen Studien so auszusehen, dass manche Menschen mit psychischen Symptomen auf das Wetter reagieren, andere eher nicht. Was kannst Du tun, wenn Du in Bezug auf Deine Psyche zu den wetterfühligen Menschen gehörst? Wir haben einige Strategien, die hilfreich sein können.
- Bewegung an der frischen Luft
Achte darauf, Dich auch im Winter und auch bei schlechtem Wetter täglich draußen aufzuhalten. Auch in den Wintermonaten reicht das Tageslicht aus, um unsere Serotoninproduktion anzukurbeln und die Ausschüttung von Melatonin zu hemmen, selbst wenn der Himmel bewölkt ist. Das Problem ist an diesen Tagen gar nicht nur das mangelnde Licht, sondern eher, dass wir bei schlechtem Wetter und im Winter viel weniger draußen sind. Da Bewegung die Produktion von Dopamin fördert, das stimmungshebend und aktivierend wirkt, kombinierst Du Deine Zeit an der frischen Luft am besten mit Sport oder einem ausgedehnten Spaziergang.
- Aktiv werden
Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Menschen bei schlechtem Wetter produktiver arbeiten als bei Sonnenschein. Forschende vermuten, dass Konzentration und Fokus bei Regen besser funktionieren. Nutze die Zeit, die Du nicht an der frischen Luft verbringst, um Dinge abzuarbeiten – das lässt nicht nur den Schlecht-Wetter-Tag schneller vergehen, sondern sorgt auch für positive Gefühle, wenn Du Dinge von Deiner To-Do-Liste streichen kannst.
- Entspannungstechniken
Achtsamkeitstechniken wie Yoga oder Meditation wirken stressreduzierend, können depressive Symptome lindern und helfen, die emotionale Balance zu halten. Bist Du durch eine regelmäßige Praxis bereits in der Meditation geübt, können zusätzliche Einheiten an besonders trüben Tagen oder in den Wintermonaten helfen, negative Emotionen oder Antriebslosigkeit besser akzeptieren und aushalten zu können.

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überarbeitet am 17.11.2025
von Sarah B. (B.Sc. Psychologie)

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Mindfulife
Bist Du gegenüber dem Wetter empfindlich oder reaktiv? Welche Symptome kommen bei Dir auf und wie gehst Du mit ihnen um?