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Wirkt ein Online-Meditationsprogramm positiv auf Stresslevel und Achtsamkeit von Studierenden?

Von 
Frank Aschoff
|
09/03/2022
Meditationslehrer, Journalist und Cochrane-Member mit dem Schwerpunktthema Evidenzbasierte Naturheilkunde

Junge Erwachsene sind in einem Hochschulstudium vielen Stressfaktoren ausgesetzt – von akademischer Strenge bis hin zu begrenzten finanziellen Mitteln. Auch in den USA nehmen laut Dorais und Gutierrez (2021) psychische Gesundheitsprobleme an Hochschulen stetig zu – und Universitäten verfügen nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen für den überwältigenden Bedarf von Studierenden, die Beratungsdienste aufsuchen. Die Berater:innen müssen Studierende in der Regel auf Wartelisten setzen oder an externe Stellen verweisen. Aber Universitätsberater:innen haben während der COVID-19-Pandemie daran gearbeitet, Studierende zusätzlich über Online-Formate zu betreuen. Auch wenn die Studierenden in die Hochschulen zurückkehren, bleiben Online-Angebote inzwischen eine beliebte Option. Online- und evidenzbasierte Maßnahmen bieten Hochschulberater:innen eine gute Möglichkeit, effektiv zu arbeiten.

Eine der am besten erforschten Maßnahmen aus der Komplementären und Alternativen Medizin (KAM) ist die Meditation. Es konnte schon vielfach in Studien gezeigt werden, dass sie auch über Online-Angebote eine gute Wirksamkeit hat. Nun haben die Forscher:innen Dorais und Gutierrez (2021) das Wissen zu Achtsamkeitsmaßnahmen über Online-Formate für Studierende versucht zu erweitern. In der aktuell in „Frontiers in Psychology“ erschienenen randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) gehen sie davon aus, dass das Interesse von Studierenden an Spiritualität im Vergleich zu vorhergehenden Generationen gestiegen ist („millennial spirituality“).

Die als Intervention eingesetzte sog. „Zentrierende Meditation“ basiert auf einer Praxis der frühen christlichen Mystiker, dem „Zentrierenden Gebet“. In ihrer Grundform wurde sie von den sog. Wüstenvätern und -müttern im 3. Jahrhundert n. Chr. entwickelt: Die Praktizierenden wählen ein Wort, wie zum Beispiel „Frieden“ oder „Hoffnung“ und nutzen dies, um ihren Geist von Ablenkungen zurückzuholen und zu rezentrieren: Der Praktizierende setzt sich, schließt die Augen und wiederholt das Wort innerlich. Wenn seine Gedanken wegwandern, lenkt er seine Aufmerksamkeit wieder zurück zu dem gewählten Wort.

Studierende in Meditation

Ähnliche Praktiken sind in vielen religiösen Kontexten zu finden (Mantra u.ä.). Die Autor:innen präsentierten den Teilnehmenden die Methode als spirituelle Praxis für Menschen aus verschiedenen religiösen Glaubensrichtungen oder auch Menschen ohne jeden „Glauben“ oder Religiösität. Einige Pilotstudien konnten schon den Effekt dieser Praxis zur Reduktion von Depressivität, Angst und Stress zeigen.

Fragestellung

Die Fragestellung der RCT war: Gibt es einen statistisch bedeutsamen Unterschied in Bezug auf den gefühlten Stress-Level und Achtsamkeit zwischen den Studierenden, die 2-mal täglich an einer Zentrierungsmeditation teilnehmen und Studierenden einer Kontrollgruppe, die auf einer Warteliste stehen?

Methode

In der randomisierten, kontrollierten Studie nahm die Behandlungsgruppe an einem 4-wöchigen Programm teil, mit Zentrierungsmeditation jeweils 10 min morgens und abends. Dorais und Gutierrez (2021) haben dann Stress und Achtsamkeit in beiden Gruppen mithilfe der „Perceived Stress Scale“ und „Cognitive and Affective Mindfulness Scale-Revised“ gemessen – und zwar zu Studienbeginn, nach 2 Wochen und nach 4 Wochen.

Ergebnis

Sie kamen zu folgenden Ergebnissen: Der durchschnittliche Teilnehmende der Behandlungsgruppe nahm an 36 von insgesamt 56 Meditationssitzungen über 4 Wochen teil, was einer Adhärenzrate von 64 % entspricht. Die zentrierende Meditation hatte einen statistisch bedeutsamen, positiven Einfluss auf Stress und Achtsamkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Originalarbeit

Dorais S, Gutierrez D. The Effectiveness of a Centering Meditation Intervention on College Stress and Mindfulness: A Randomized Controlled Trial. Front Psychol. 2021 Oct 21;12: 720824. doi: 10.3389/fpsyg.2021.720824 . PMID: 34744885 ; PMCID: PMC8567013.

Lese die vollständige Original-Studie hier.

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Auch der Autor dieses Artikels, Frank Aschoff, bietet eine eigene Meditation an: Die "Nur Sitzen" Meditation findet jeden Dienstag um 7:00 Uhr statt.

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