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Mitgefühl und wie du es in deinen Alltag einbringen kannst

19/03/2021

Mitgefühl und Empathie - der Unterschied

Stell dir vor, dein bester Freund verliert seinen Job, die Katze deiner Nachbarin wird überfahren oder du fährst auf der Landstraße an einer Frau vorbei, die bei strömendem Regen einen platten Reifen hat – wie fühlst du dich? Vielleicht spürst du die Verzweiflung deines besten Freundes, die Trauer der Nachbarin oder den Frust der Frau mit dem platten Reifen. Vermutlich verspürst du Mitleid mit den beschriebenen Personen. In solchen Fällen sprechen Psychologen von Empathie – man fühlt das, was ein anderer fühlt, ohne selbst in der Situation zu sein.

Vielleicht empfindest du auch das Bedürfnis, deinem besten Freund Geld anzubieten, die Nachbarin zum Tee einzuladen oder anzuhalten, um die Frau beim Wechseln ihres Reifens zu unterstützen. Kurz gesagt – du hast das Bedürfnis, den Menschen in ihrer Notlage zu helfen. Dieses Bedürfnis entsteht aus Mitgefühl für die Situation der anderen Personen heraus.

Der grundlegende Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl ist nach dem Psychologen Paul Bloom, dass Empathie lediglich meint, das zu fühlen, was ein anderer Mensch gerade fühlt, während Mitgefühl das Bedürfnis miteinschließt, sich um den notleidenden Menschen zu kümmern und ihm zu helfen.

Warum wir mitfühlend sind

Doch wozu brauchen wir diese Fähigkeit? Warum ist unser biologisches System so aufgebaut, dass wir die Gefühle anderer Menschen fühlen können, als wären es unsere eigenen?

Empathie und Mitgefühl scheinen fest im Menschen angelegt zu sein. Evolutionsmäßig betrachtet hat uns Empathie einen enormen Vorteil verschafft: Zum einen um in sozialen Gruppen zu interagieren und einander verstehen zu können. Zum anderen, weil wir durch das Beobachten und Nachempfinden von Gefühlen anderer enorm schnell lernen können.

Die Gefühle anderer zu verstehen und sie teilweise nachzuempfinden, als seien es unsere eigenen ist also wichtig für unser Zusammenleben – es macht uns zu sozialen Wesen.

Zu viel des Guten?

Es kann allerdings auch ein „Zuviel“ an Empathie geben. Empfinden wir insbesondere die negativen Emotionen anderer Menschen zu viel oder zu intensiv nach, so kann das zu einer Belastung werden, die zu psychischem Stress führt. Gelangen wir in einen solchen Zustand, sind wir deutlich schlechter oder unter Umständen sogar gar nicht mehr in der Lage, anderen zu helfen. Das wiederum kann für unser soziales Miteinander gravierende Folgen haben.

Angenommen eine Krankenschwester ist so empathisch mit ihren Patienten und deren Angehörigen, dass sie selbst durch das Nachempfinden der negativen Emotionen, mit denen sie in ihrem Alltag sehr häufig in Kontakt kommt, extrem gestresst ist und nicht mehr in der Lage ist, ihren Beruf zufriedenstellend auszuüben, so ist das sehr hinderlich für alle Beteiligten – nicht nur für die Krankenschwester selbst, sondern auch für die Menschen, denen sie durch das extreme Nachempfinden deren Leidens, nicht mehr helfen kann.

Zusammengefasst: Zu viel Empathie kann hinderlich sein – sowohl für uns selbst als auch für unsere Mitmenschen. Der psychische Stress, der hierdurch entstehen kann, erhöht das Risiko einen Burnout zu erleiden und führt zu einer verminderten Resilienz (Klimecki et al., 2013).

Ein stärkeres Mitgefühl hingegen erhöht unsere Motivation, anderen zu helfen (Leiberg et al., 2011). Dieses Phänomen wird durch eine Vielzahl an psychologischen Studien belegt. Anderen helfen zu können führt wiederum dazu, dass wir uns selbst besser fühlen und mehr positive Emotionen erleben.

Mehr Mitgefühl im Alltag durch Metta-Meditation

Wie aber können wir es schaffen, mehr Mitgefühl in unserem Alltag und mit unseren Mitmenschen zu haben – ohne, dass es für uns selbst zur Belastung wird?

Sicherlich gibt es auf diese Fragen mehrere Antworten. Eine davon ist die sogenannte Metta-Meditation. Metta bedeutet so viel wie „Liebende Güte“. Im Englischen spricht man auch von loving-kindness-meditation. Bei dieser Form der Meditation wird ein friedlicher, wohlwollender und erfüllender Zustand angestrebt. Ein Zustand, in dem wir jedem Wesen mit Friedlichkeit und Wohlwollen begegnen. Während der Metta-Meditation verbalisiert der Meditierende innerlich bestimmte positive Wünsche und stellt sich vor, zu einem Lebewesen ein Gefühl von Wärme und Wohlwollen aufzubauen.

Meist wird damit begonnen sich selbst oder einer nahestehenden Person positive Wünsche zu senden, anschließend wird das Gefühl ausgeweitet auf Menschen, denen der Meditierende neutral gegenübersteht, daraufhin auf Menschen, denen gegenüber er eine Abneigung verspürt und schließlich wird das Gefühl ausgeweitet auf alle Menschen und alle fühlenden Wesen.

Wirkung der Metta-Meditation

Untersuchungen zeigen, dass das regelmäßige Praktizieren von Metta-Meditation mit einer Zunahme an positiven Emotionen, sozialer Verbundenheit und prosozialem Verhalten einhergeht. Metta kann uns außerdem dabei helfen, mit negativen Emotionen besser umzugehen und uns selbst ohne Einschränkungen zu lieben.

Selbstliebe ist ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, mit dem inneren Kritiker, den die meisten von uns wohl in sich tragen, umzugehen. Wir können nicht zufrieden und gesund sein, wenn wir gegen uns selbst ankämpfen. Vor dem Hintergrund, dass wir permanent mit uns selbst zusammen sind, ist es umso wichtiger, freundlich mit uns selbst umzugehen. Psychologen fanden heraus, dass Menschen, die freundlich zu sich selbst sind, auch anderen gegenüber mitfühlender und liebevoller agieren. Nach dem Motto: Wir können nur geben, wenn unsere eigene Schale voll ist.

Und selbst für unser Immunsystem scheint ein liebevoller Umgang mit uns selbst und anderen von Vorteil zu sein. Unter anderen fanden Forscher an einer Universität in North Carolina heraus, dass Personen durch Metta-Meditation eine erhöhte Lebenszufriedenheit empfanden aber auch eine geringere durch Stress ausgelöste Immunreaktion zeigten (Fredrickson et al., 2008). Wie sich Meditation außerdem positiv auf dein Immunsystem auswirkt, kannst du hier nachlesen.

Mitfühlend sein - für uns selbst und andere

Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass Mitgefühl uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber, eine Vielzahl an positiven Aspekten mit sich bringt – für uns selbst und für unsere Mitmenschen. Wir Menschen sind soziale Wesen und der Umgang mit uns selbst sowie unser Kontakt mit anderen sind ausschlaggebend für unser Wohlbefinden. Besonders in einer Zeit, in der unsere sozialen Möglichkeiten stark eingeschränkt sind, sollten wir das auf keinen Fall vergessen.

Wenn Du die Auswirkungen von Metta-Meditation auf Dich selbst und Dein Sozialleben genauer kennen lernen möchtest, bist Du hier genau richtig. Mindfulife bietet Dir die Möglichkeit, von zu Hause aus an Online-Meditationen teilzunehmen und Dich dabei mit Dir selbst und anderen Menschen zu verbinden. 

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Dieser Artikel in Kürze

  • Es gibt einen Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl
  • Empathie kann zur psychischen Belastung werden
  • Mitgefühl steigert das prosoziale Verhalten des Menschen und lässt uns mehr positive Emotionen erleben
  • Um liebevoll mit anderen Menschen umgehen zu können, sollten wir freundlich mit uns selbst sein
  • Durch Metta-Meditation lässt sich das Mitgefühl für einen selbst und für andere stärken

Quellen

Leiberg, S., Klimecki, O., Singer, T. (2011) Short-term compassion training increases prosocial behavior in a newly developed prosocial game. PLOS ONE 6(3). e17798. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0017798

Klimecki, O., Leiberg, S., Lamm, C., & Singer, T., (2013) Functional neural plasticity and associated changes in positive affect after compassion training. Cerebral Cortex, 23(7), 1552–1561. https://doi.org/10.1093/cercor/bhs142

Fredrickson, B. L., Cohn, M. A., Coffey, K. A., Pek, J., & Finkel, S. M. (2008). Open hearts build lives: Positive emotions, induced through loving-kindness meditation, build consequential personal resources. Journal of personality and social psychology95(5), 1045.

Es gibt einen Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl – Psychologie Guide (psychologie-guide.de)

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