Metta-Meditation und Psychose-ähnliche Erlebnisse: Ein Interview über ein Forschungsprojekt

Veröffentlicht am
12 April 2023
Zuletzt aktualisiert
12 Juli 2026
Kategorie
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Metta-Meditation ist eine Form der Meditation, die auch als Meditation der liebenden Güte bekannt ist. In diesem Beitrag geht es um psychose-ähnliche Erlebnisse, auch psychotic-like experiences oder PLE genannt, und um die Frage, welche Rolle Metta-Meditation in einem Forschungsprojekt zu diesem Thema gespielt hat.

Wichtig dabei: Der Artikel ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung. Bei starken psychischen Belastungen, psychotischen Symptomen oder Unsicherheit sollte immer professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Was ist Metta-Meditation?

Wenn Dir der Begriff der Metta Meditation unbekannt vorkommt, könnte es sein, dass die Meditationsart dir bereits unter einem anderen Namen begegnet ist. Die Metta Meditation wird auch als Meditation der liebenden Güte bezeichnet. Der Name lässt bereits darauf schließen, worum es im Kern geht. Im Fokus steht die bedingungslose und erfüllende Liebe zu sich selbst und anderen. Durch das innere Aufsagen kurzer Sätze oder Mantras kann ein Zustand des Friedens und des Wohlwollens herbeigeführt werden. Auch langfristig gehen mit der Metta Meditation positive Effekte einher. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Metta-Meditation positive Effekte auf Wohlbefinden, Mitgefühl und den Umgang mit belastenden Gefühlen haben kann. Sie sollte jedoch nicht als Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung verstanden werden.

Frau meditiert mit einem Lächeln im Schneidersitz an einer Wand

Metta Meditation – Interview

Unser Director of People von Mindfulife, Nabeegh Anwar, berichtet in einem Interview über eine von ihm geleitete Studie zum Einfluss der Metta Meditation auf psychotic like experiences (psychose-ähnliche Erlebnisse / PLE).

Das folgende Interview gibt Einblick in ein Forschungsprojekt, an dem Mindfulife beteiligt war. Die Aussagen stammen aus dem damaligen Gespräch und werden redaktionell eingeordnet. Da zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht alle Ergebnisse abschließend vorlagen, sollten die Aussagen vorsichtig verstanden werden.

Janina: Hallo Nabeegh, erzähle uns doch ein bisschen über Dich und darüber, was Du in deinem Alltag machst.

Nabeegh: Hallo, ich heiße Nabeegh Anwar und habe den Studienhintergrund der Psychologie. Ich bin bei Mindfulife im Bereich People & Culture tätig, wo ich die tolle Verantwortung habe, gemeinsam, in einem Team mit interessanten Persönlichkeiten und kreativen Mitarbeitenden, die Unternehmensstruktur und -kultur zu verbessern. Eines der coolsten Dinge, die ich bei Mindfulife gerne mache, ist, spannende Persönlichkeiten kennenzulernen und mit ihnen Konzeptionen zu erstellen.

Janina: Kannst Du uns ein bisschen über Mindfulife erzählen und was Euer Ziel ist?

Nabeegh: Mindfulife ist ein junges Unternehmen, welches die Philosophie hat, Meditation von dem traditionellen sowie dem wissenschaftlichen Part zu vereinen und für jeden bereitzustellen, sodass man zu seiner inneren Mitte findet und im Hier und Jetzt lebt. Mein persönlicher Wunsch ist es, dass Meditation in der Zukunft verschreibungspflichtig wird.

Janina: Warum hast Du begonnen, Dich mit Meditation, Achtsamkeit und dem Gehirn zu befassen?

Nabeegh: Meine erste Begegnung mit Meditation kam tatsächlich schon sehr früh, ohne dass ich wusste, dass es eine Meditation ist. Das war bei einem Gebet, dem Namaz, da hat man den Anspruch, im Hier und Jetzt zu bleiben. Wenn man mit den Gedanken abschweift, soll man zum Namaz zurückkehren. In der Studienzeit habe ich Meditation unabhängig davon gelernt.

Durch mein Psychologiestudium bin ich auf die Wissenschaft hinter der Meditation gestoßen und ich weiß noch, dass ich nicht glauben konnte, dass Meditation wirkt. Welche Effekte Meditation hat sowie die Studienlage waren damals schon präsent und populär. Ab dem Zeitpunkt war mir bewusst: Das wird ein großer Teil meines zukünftigen Lebens sein. Vor allem auch, dass Meditation nicht Esoterik oder Hokuspokus ist, sondern, dass wir in der jetzigen Zeit auch die Möglichkeit haben, nachzuweisen, was für Effekte es auf der neuronalen Ebene hat. Ich sage gerne, Meditation ist wie die Zahnbürste des Gehirns.

Janina: Wie wichtig ist es, in Forschung im Bereich Meditation zu investieren?

Nabeegh: Unheimlich wichtig. Auch wenn die Forschung immer mehr an Relevanz erhält, bin ich der Meinung, dass wir unser Wissen und unsere Techniken dafür nutzen sollten, psychische und körperliche Krankheiten mit Tools, die nahezu oder kaum Nebeneffekte haben, weiter zu untersuchen. Ein ganz entscheidender Punkt ist auch, Gesundheit und Krankheit nicht differenziert zu betrachten, sondern mit verschiedenen Tools, zum Beispiel Sport und Meditation, gemeinsam, so wie es auch schon früher war. Das sollte die Wissenschaft immer mehr beweisen. Ich bin auch super gespannt, was die Zukunft noch alles mit sich bringt, da die Forschung noch in den Kinderschuhen ist.

Janina: Kannst Du uns etwas über die Studie erzählen, an der du und Mindfulife beteiligt waren?

Nabeegh: Im letzten Jahr hatten wir als Mindfulife, unter der Betreuung von Philipp Pham, einem Co-Gründer von Mindfulife, der die Metta Meditation geleitet hat, die tolle Gelegenheit, eine Forschung mit Prof. Dr. Philipp Grant zu leiten. Er hat in der Vergangenheit viel Forschung zu den Themen PLE und Positive Psychologie betrieben. Er konnte nachweisen, dass durch die Positive Psychologie die PLEs verringert werden konnten. Je stärker die psychose-ähnlichen Erlebnisse waren, desto wahrscheinlicher entwickeln die Personen eine Schizophrenie.

Wenn wir die Möglichkeit haben, diese Erlebnisse zu reduzieren, ist es möglich, das Risiko einer Schizophrenie zu reduzieren. In einigen Subskalen konnte nachgewiesen werden, dass dies möglich ist. Die Idee zu unserer Studie kam dadurch, dass Mindfulife in der Vergangenheit an einigen Studien mitgewirkt hat und dabei rausfand, dass Metta Meditation positive Effekte auf die psychische Gesundheit hat. Dadurch kam die Annahme, dass Metta Meditation auch eine gute Wirkung auf die Reduzierung von PLEs haben könnte.

Janina: Was ist Metta und wie ist die Forschungslage für Metta Meditation?

Nabeegh: Metta bedeutet übersetzt “Güte” und ist eine Meditation, in der wir Güte und Freundlichkeit kultivieren möchten. Um Freundlichkeit für andere zu kultivieren, muss man freundlich zu sich selbst sein. Zuerst stellen wir uns eine Person vor, die wir gut kennen und erweitern dies dann über neutrale Personen, bis zu uns selbst. Man wünscht der Person dabei positive Wünsche, wie zum Beispiel „Ich wünsche dir Glück“ oder „Ich wünsche dir Fröhlichkeit“. Metta Meditation wird als Mittel gegen Stress und Depression genutzt und kann maladaptiven Stressreaktionen entgegenwirken. Das wirkt dadurch, dass vermehrt Dopamin ausgeschüttet wird und die Cortisol-Ausschüttung verringert wird. Der Forschungsstand ist noch sehr jung und die Metta Meditation wird erst langsam als eigenständige Forschungsdisziplin erforscht.

Eine Frau, die in einem freien Raum Metta Meditation in Ruhe macht.

Janina: Wie wurde die Studie durchgeführt und wie war der Ablauf?

Nabeegh: Es handelt sich um eine Crossover Studie, die über drei Monate ging. Zu Beginn haben die Proband*innen einen Persönlichkeitsfragebogen ausgefüllt. Dadurch haben wir festgestellt, zu welchen Persönlichkeitstypen unsere Teilnehmenden zählen, um diese später vergleichen zu können. Es handelte sich dabei um gesunde Personen. Über vier Wochen liefen zwei Interventionen gleichzeitig ab.

Zum einen gab es die Metta Meditation. Dafür bekamen die Teilnehmenden je einmal in der Woche eine Metta Meditation per Video. Die Vergleichsgruppe bekam eine positive Intervention. Dabei sollten die Proband*innen einen Text über eine Erfahrung schreiben, die mit einem persönlichen Glücksgefühl zusammenhängt oder über ein zukünftig erwartetes Glücksgefühl. Anschließend wurde ihnen der Text erneut präsentiert und sie sollten ihn sich selbst laut vorlesen. Dadurch sollte das Glücksgefühl erneut erlebt werden oder sich das Erwartete vorgestellt werden. Diese Intervention hat sich als Mittel erwiesen, positive schizotype Erlebnisse bei gesunden Menschen zu reduzieren.

Vor und nach jeder Intervention wurde der PANAS, ein Stimmungsfragebogen, ausgefüllt und zusätzlich noch jede Woche einmal der PSI. Dieser dient der Feststellung von psychose-ähnlichen Erlebnissen. Nach den vier Wochen Intervention gab es eine vierwöchige Wash-Out-Phase. Diese wurde verwendet, damit es keine konfundierten (störenden) Effekte aus der vorherigen Übung gibt. Dann folgte der Crossover. Die Metta-Gruppe bekam die positive Intervention und die positive Interventionsgruppe die Metta Meditation.

Als Ziel der Intervention galt es, sich positive Gedanken über sich selbst und die Umwelt zu schaffen. Beide Interventionen zielen auf den Ansatz der Positiven Psychologie ab, um das „Negative“, in diesem Fall die Krankheit, vorwegzunehmen. In der Abbildung ist der Ablauf der Studie noch einmal bildlich dargestellt.

Janina: Was wurde konkret anhand der Studie festgestellt?

Nabeegh: Die Metta Meditation und die positive Intervention verringern die negative Affektivität und erhöhen die positive Affektivität nach jeder Intervention und über die gesamte Zeit hinweg. Bezüglich der PLEs werden noch weitere Erhebungen durchgeführt. Es ist daher noch nicht möglich, weitere Ergebnisse zu nennen.

Janina: Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung und Durchführung der Studie? Was sind Pläne für die Zukunft?

Nabeegh: Eine der größten Herausforderungen war es, Personen zu finden, die über diesen langen Zeitraum auch wirklich gewissenhaft teilnehmen. Ein weiteres großes Problem zu Beginn war, dass wir eine Dropout-Rate von über 60% hatten. In der Wash-Out-Phase haben wir viele Proband*innen verloren und konnten dementsprechend viele Daten nicht verwenden.

Grundsätzlich ist eine Idee für die Zukunft, wie man dies verbessern kann, dass man ein Programm erstellt, wo die Menschen sich vor Ort treffen, damit die Gewissenhaftigkeit höher ist. Eine Spezialisierung der Proband*innen in Erkrankte und Hochrisikopatient*innen wäre gut. Bei Menschen dieser Gruppen ist es zu erwarten, dass die Gewissenhaftigkeit auch viel höher ist, da sie unmittelbar positive Effekte feststellen können. Für die Zukunft wäre es sehr spannend, diese Studie eventuell mit verschiedenen Meditationsarten zu replizieren und zu schauen, welche dieser Meditationsarten den größten Effekt hat.

Metta Meditation – Fazit

Das Interview zeigt, dass Metta-Meditation nicht nur als Achtsamkeitspraxis, sondern auch als Thema psychologischer Forschung interessant ist. In dem beschriebenen Forschungsprojekt ging es darum, welche Rolle Metta-Meditation im Zusammenhang mit psychose-ähnlichen Erlebnissen spielen kann.

Im Interview wird deutlich, dass sich positive Veränderungen vor allem im Bereich der Stimmung zeigten: Negative Affekte nahmen ab, positive Affekte nahmen zu. Zu psychose-ähnlichen Erlebnissen lagen zum Zeitpunkt des Gesprächs jedoch noch keine abschließenden Ergebnisse vor.

Deshalb sollte der Artikel nicht so verstanden werden, dass Metta-Meditation psychotische Erkrankungen verhindern oder behandeln kann. Vielmehr gibt das Interview einen Einblick in ein Forschungsprojekt und zeigt, warum Metta-Meditation als ergänzende Achtsamkeitspraxis weiter untersucht wird.

Ein Mädchen, das zusammen mit einer Frau in einem ruhigen Raum Metta Meditation macht.

Metta Meditation – Häufige Fragen

  • Was ist Metta Meditation?
    Bei der Metta-Meditation handelt es sich um eine Meditationstechnik, die auch als Meditation der liebenden Güte bezeichnet wird. Im Mittelpunkt stehen wohlwollende Wünsche für dich selbst und andere Menschen. Innerlich werden dabei kurze Sätze wiederholt, zum Beispiel „Möge ich glücklich sein“. Dadurch kann eine freundlichere und mitfühlendere Haltung sich selbst und anderen gegenüber gefördert werden.
  • Wobei kann Metta Meditation unterstützen?
    Metta-Meditation kann dabei unterstützen, Wohlwollen, Selbstmitgefühl und einen freundlicheren Umgang mit sich selbst und anderen zu stärken. Viele Menschen nutzen sie außerdem, um zur Ruhe zu kommen und bewusster mit belastenden Gefühlen umzugehen.

    Bei psychischen Erkrankungen oder starken psychischen Belastungen sollte Metta-Meditation jedoch nur ergänzend verstanden werden und keine professionelle medizinische oder psychotherapeutische Behandlung ersetzen.
  • Was sind die vier klassischen Sätze der Metta Meditation?
    Die vier klassischen Sätze der Metta-Meditation lauten häufig:

    1. Möge ich glücklich sein.

    2. Möge ich sicher sein

    3. Möge ich gesund sein

    4. Möge ich mit Leichtigkeit leben.

    Je nach Anleitung können die Formulierungen leicht variieren.
  • Wie läuft die Metta Meditation ab?
    Bei der Metta-Meditation richtest du die wohlwollenden Sätze zunächst an dich selbst. Nach einigen Minuten kannst du sie auf eine nahestehende Person ausweiten, zum Beispiel auf jemanden, den du gut kennst. Anschließend können die Wünsche auch an eine neutrale Person gerichtet werden.

    Wenn es sich für dich stimmig anfühlt, kannst du die Sätze später auch auf eine Person ausweiten, mit der du Schwierigkeiten hast. Am Ende kann die Metta-Meditation darauf ausgerichtet werden, allen Lebewesen Wohlwollen, Freundlichkeit und Mitgefühl entgegenzubringen.

überarbeitet am 17.6.2026
von Katharina R. (Psychologiestudentin)

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du Meditation in deinen Alltag integrieren kannst und welche Meditationsarten es gibt, findest du weitere Informationen in unserem Blogartikel über Meditation im Alltag.

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Quellen

Hinweis: Da dieser Beitrag auf einem Interview basiert, gibt er vor allem Einblicke in das Forschungsprojekt und den damaligen Gesprächsstand. Er ersetzt keinen vollständigen wissenschaftlichen Studienbericht.

1 Kommentar

  • Mindfulife

    Was ist Deine Meinung zu der Studie zum Einfluss von Metta Meditation? Waren die Ergebnisse überraschend oder hast Du es bereits so erwartet?

Kommentare sind geschlossen.

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