Mein Weg mit Lipödem – Ein Erfahrungsbericht von Lea

Veröffentlicht am
24 Juli 2024
Zuletzt aktualisiert
22 August 2025
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Mein Weg mit Lipödem - Ein Erfahrungsbericht von Lea

Hallo, ich bin Lea, 25 Jahre alt, und heute möchte ich meine persönliche Reise mit dem Lipödem mit Dir teilen. Momentan befinde ich mich im Übergang von Stadium 2 zu Stadium 3 dieser oft missverstandenen Erkrankung. Lipödem ist mehr als nur eine körperliche Herausforderung; es beeinflusst auch das emotionale Wohlbefinden und die Lebensqualität. In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen, Herausforderungen und Erkenntnisse auf diesem Weg mit Dir teilen, um ein besseres Verständnis für diese Erkrankung zu schaffen und anderen Betroffenen Mut zu machen.

Was ist Lipödem?

Das Lipödem ist eine Erkrankung, genauer gesagt eine Störung der Fettverteilung, bei der sich Fettgewebe ungleichmäßig im Körper ansammelt – an Beinen, Hüften, Gesäß und in einigen Fällen, wie bei mir, auch an den Armen.

Eine Folge davon ist ein unproportionales Verhältnis der einzelnen Körperteile zueinander. Daher ist es nicht selten, dass das Oberteil einer Person Größe S hat und die Hose in XXL vorliegt. Man geht davon aus, dass rund 3,8 Millionen Menschen, meist Frauen, betroffen sind. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer höher, da es häufig zu Fehldiagnosen kommt und Betroffene denken könnten, es liege nur an falscher Ernährung oder Bewegungsmangel.

Oft wird das Lipödem mit Cellulite verwechselt, jedoch handelt es sich um eine medizinische, behandlungsbedürftige Erkrankung. Die genauen Ursachen des Lipödems sind noch nicht vollständig erforscht, wahrscheinlich spielen genetische Faktoren dabei eine Rolle.

Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen konservative Maßnahmen wie Kompressionskleidung und physiotherapeutische Übungen sowie in einigen Fällen auch chirurgische Eingriffe, sogenannte Liposuktionen. Es ist wichtig, dass Betroffene frühzeitig ärztliche Hilfe suchen, um Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Ärztin spricht mit Patienten

Die Stadien des Lipödems

Das Lipödem zeigt sich in verschiedenen Stadien, die sich durch Ausmaß und Schwere der Symptome unterscheiden.

  • Stadium I: Symptome meist mild. Häufig leichte Schwellungen, Druckempfindlichkeit und gelegentliche Schmerzen in den betroffenen Bereichen. Das Fettgewebe ist ungleich verteilt, ausgeprägte Verformungen sind noch nicht sichtbar.

  • Stadium II: Symptome nehmen zu und werden deutlicher. Anhaltende Schwellungen, Schmerzen und ein „schweres“ Gefühl in den betroffenen Regionen sind typisch. Das Fettgewebe ist stärker vergrößert, erste Anzeichen von Cellulite können auftreten.

  • Stadium III: Symptome am ausgeprägtesten. Starke Schwellungen, intensive Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und deutliche Verformungen. Das Fettgewebe ist stark vergrößert, es können größere Fettlappen entstehen; die Haut ist häufig stark gedehnt.


Es ist wichtig zu betonen, dass das Lipödem eine progressive Erkrankung ist, was bedeutet, dass sich die Symptome im Laufe der Zeit verschlimmern können. Daher sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend, um das Fortschreiten des Lipödems zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Meine Anfänge mit dem Lipödem

Als ich begann, starke blaue Flecken schon bei kleinen Stößen zu bekommen, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Die Schmerzen beim Gehen längerer Strecken oder Treppenstufen waren zeitweise unerträglich. Ich konnte spüren, wie meine Beine schwer wurden und anschwollen, und es fühlte sich an, als ob mein Körper gegen mich arbeitete.

Selbst bei Berührungen von Freund*innen oder Familie taten meine Arme manchmal weh, was natürlich auch bei mir unterbewusst dafür gesorgt hat, dass ich Umarmungen meist vermied.
Nachdem ich verschiedene Ärzt*innen aufgesucht hatte, wurde mir schließlich die Diagnose Lipödem gestellt, da ich das Glück hatte, einen guten Phlebologen zu finden.

Unterstützung, Hilfe und Tipps

Als jemand, der regelmäßig Kompressionswäsche trägt, ist es für mich wichtig, meine Kompressionsversorgung so angenehm wie möglich zu gestalten.


Vor dem Termin im Sanitätshaus rate ich dazu, sich gut vorzubereiten. Meist beginne ich mit einer Dusche und ziehe frische, bequeme Unterwäsche an, um mir selbst ein gutes Gefühl zu geben. Im Sanitätshaus ziehe ich meist lockere Kleidung an, um das An- und Ausziehen der Strümpfe zu erleichtern. Oft denke ich auch vorher darüber nach, welche Farben oder Muster meine Kompressionswäsche aufpeppen könnten und meinen persönlichen Stil unterstreichen. Dafür schaue ich mir vorher die jeweiligen Styles auf den Websites der Hersteller*innen an oder nutze Lipödem-Gruppen auf Facebook, um mir Ideen für verschiedene Looks zu holen.
Gerade im Sommer sind Anzieh- und Ausziehhilfen hilfreich, um den Prozess zu vereinfachen. Oft sind diese über die Krankenkasse erhältlich.


Es ist wichtig, vorher in einer Arztpraxis vorbeizuschauen, um die richtigen Hilfsmittel auszuwählen und ein Rezept dafür zu erhalten. Die regelmäßige Nutzung und Reinigung der Kompressionsstrümpfe ist entscheidend für die Wirksamkeit, die in der Regel etwa sechs Monate anhält.


Bei Verlust eines Strumpfes keine Panik: Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten in der Regel zwei Versorgungen pro Jahr. Bei warmem Wetter können die Beine schwerer werden, da sich die Venen ausdehnen. In solchen Fällen hilft es, die Beine hochzulegen und zu entspannen.
Mit der richtigen Unterstützung und Pflege kann medizinische Kompressionswäsche dazu beitragen, dass man sich leichtfüßiger durchs Leben bewegt.


Zum Schlafen sollte die Kompressionswäsche jedoch ausgezogen werden, denn im Liegen muss das Venen- und Lymphsystem nicht gegen die Schwerkraft arbeiten und somit erleichtert es den Blut- und Lymphabfluss. Zusätzlich gilt, dass sich die Haut über Nacht regeneriert.

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Die Suche nach dem richtigen Arzt

Bei der Suche nach einer ärztlichen Fachperson, die auf Lipödeme spezialisiert ist oder Erfahrung in diesem Bereich hat, gibt es einige wichtige Schritte zu beachten.

Zunächst einmal ist es ratsam, Empfehlungen von Freund*innen, Familie oder anderen medizinischen Fachkräften einzuholen. Persönliche Empfehlungen können sehr hilfreich sein, um qualifizierte Ärzt*innen zu finden.
Darüber hinaus ist es sinnvoll, Online-Plattformen und Bewertungsseiten zu nutzen, um nach Bewertungen und Feedback von Patient*innen zu suchen. Dies kann Dir einen Einblick in die Erfahrungen anderer geben und Dir bei der Entscheidungsfindung helfen.


Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Vereinbarung eines Beratungstermins in einer Arztpraxis. Während des Termins kannst Du die Ärzt*innen kennenlernen, offene Fragen klären und darauf achten, wie gut Deine Bedenken verstanden werden. Es ist wichtig, eine Arztpraxis zu wählen, in der Du Dich wohl fühlst und Deine Fragen und Anliegen Berücksichtigung finden.


Achte auch auf den Standort der Praxis und die Erreichbarkeit in Notfällen oder für regelmäßige Besuche. Kläre im Voraus die Kosten für die Behandlung ab und auch, ob sie von Deiner Krankenversicherung abgedeckt werden.


Letztendlich ist es entscheidend, Deinem Bauchgefühl zu vertrauen. Wenn Du Dich in deiner Praxis nicht wohlfühlst oder Zweifel hast, suche weiter. Eine gute Kommunikation und ein Vertrauensverhältnis zwischen Dir und den Ärzt*innen sind entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.

Liposuktion bei Lipödem

Eine effektive Behandlungsmethode, um die Symptome des Lipödems zu lindern und das ästhetische Erscheinungsbild der betroffenen Bereiche zu verbessern, ist die Liposuktion. Der Eingriff wird von spezialisierten Chirurg*innen durchgeführt, die über Erfahrung in der Behandlung des Lipödems verfügen.


Es gibt verschiedene Techniken, die bei der Liposuktion angewendet werden können, darunter die Tumeszenz-Liposuktion, die PAL (Power-Assisted Liposuction) und die WAL (Water-Jet Assisted Liposuction). Bei der Tumeszenz-Liposuktion wird eine spezielle Lösung in das Fettgewebe eingespritzt, um es aufzuweichen und den Absaugprozess zu erleichtern. Die PAL-Technik nutzt eine mechanische Vorrichtung zum Absaugen, während bei der WAL-Technik ein Wasserstrahl eingesetzt wird, um das Fettgewebe zu lösen und abzusaugen.


Nach der Liposuktion müssen die Patient*innen in der Regel Kompressionskleidung tragen und sich einer postoperativen Nachsorge unterziehen, um optimale Ergebnisse zu erzielen und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Wichtig ist, dass Patient*innen realistische Erwartungen haben und verstehen, dass die Liposuktion bei Lipödem keine dauerhafte Heilung darstellt, sondern eine symptomatische Behandlung zur Verbesserung der Lebensqualität.


Insgesamt kann die Liposuktion eine wirksame Option sein, um die Beschwerden und Einschränkungen des Lipödems zu reduzieren und den Patient*innen ein besseres Wohlbefinden zu ermöglichen. Es ist jedoch wichtig, dass jeder Fall individuell bewertet wird und dass Patient*innen sich vor dem Eingriff ausführlich über Risiken, Nutzen und Alternativen informieren.

Der Weg zur Besserung

Als jemand, der die Herausforderungen des Lipödems am eigenen Leib erfahren hat, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass regelmäßige Bewegung einen großen Unterschied machen kann. Für mich haben Schwimmen, Hula-Hoop und Laufen geholfen, meine Durchblutung zu verbessern und mein Lymphsystem zu unterstützen. Dadurch wurden meine Symptome gelindert und mein Wohlbefinden gesteigert.


Auch eine ausgewogene Ernährung spielt für mich eine entscheidende Rolle. Indem ich mich auf viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und gesunde Fette konzentrierte, konnte ich Entzündungen im Körper reduzieren und mein Gewicht besser kontrollieren. Es war wichtig für mich, meine individuellen Bedürfnisse zu berücksichtigen und auf mögliche Einschränkungen zu achten.


Das Vorkochen gesunder Mahlzeiten ist für mich eine große Hilfe, um ungesunde Optionen zu vermeiden. Eine gute Planung der Mahlzeiten erleichterte es mir auch, eine ausgewogene Ernährung einzuhalten. Ich achtete darauf, die Portionsgrößen im Blick zu behalten und bewusst zu essen.
Ich habe gelernt, dass es ratsam ist, Fachleute wie Physiotherapeut*innen oder Ernährungsberater*innen hinzuzuziehen. Und wer jetzt am liebsten gleich loslaufen will, für den gilt zu sagen, dass ein langsamer Start in ein Bewegungsprogramm hilft, um Verletzungen zu vermeiden und langfristig motiviert zu bleiben. Um motiviert zu bleiben, kann es auch helfen, mit Sportarten zu beginnen, die Dir Freude bereiten und gut in den eigenen Alltag passen.


Natürlich gönne ich mir auch mal ein Eis – vor allem im Sommer. Aber das Wichtige, wie bei allem, ist der Genuss in Maßen. Durch die Kombination dieser Maßnahmen konnte ich meine Lipödem-Symptome verbessern oder stabil halten und insgesamt mein Wohlbefinden steigern.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Lea F.

 

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1 Kommentar

  • Hattest Du vor diesem Artikel schon Kontakt zu dem Thema des Lipödems? Erzähl uns gerne davon, falls Du auch selbst Erfahrungen damit gemacht hast.

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