Denkst Du, Du kannst nicht meditieren, weil Dir Entspannung und innere Ruhe dafür fehlen? Genauso wie Du kein Yoga praktizieren kannst, weil Du nicht flexibel genug dafür bist?
Nach dieser Logik könntest Du auch denken: „Ich kann nicht duschen, weil ich schmutzig bin“. Klingt das weiterhin plausibel?
Stille, Entspannung, Klarheit – das sind keine Voraussetzungen für eine erfolgreiche Meditationspraxis, sondern eine Folge davon.
Warum fühlt sich Dein Kopf am Anfang wie ein lauter Wasserfall an?
Du kennst es vielleicht: von außen wirkt man ruhig, aber von innen schreit der Kopf, es schwirren viele Gedanken herum, Erinnerungen an Situationen und Erledigungen.
Du bist nicht allein. Für die meisten Menschen, die mit Meditieren beginnen, ist dieses Chaos im Kopf der Ausgangspunkt. Das ist normal, da Du noch keine Übung hast.
Stell Dir das so vor: Bevor Du anfängst zu meditieren, ist Dein Geist wie ein Wasserfall – chaotisch, laut, spritzt in alle Richtungen. Sobald Du Dich zum Meditieren setzt, kommen alle möglichen Gedanken.

Nur durch Übung wird der Wasserfall mit der Zeit zu einem Fluss. Es ist immer noch Bewegung darin, aber wesentlich ruhiger und koordinierter. Mit fortschreitender und regelmäßiger Meditationspraxis kann der Geist irgendwann zu einem stillen, klaren See werden.
Aber denke daran: Alle fangen erst einmal mit diesem Wasserfall an.
Was passiert, wenn Du aufhörst, Deine Gedanken wie Feinde zu behandeln?
Der erste Schritt auf Deinem Weg: Akzeptiere den Wasserfall.
Es ist normal, dass Dein Geist wandert und denkt. Genauso wie Dein Herz Herzschläge und Deine Lunge Atemzüge produziert, so produziert Dein Geist Gedanken. Du darfst reflektieren, planen, Dinge einordnen. Und Du darfst auch alles fühlen. Es geht in der Meditation nicht darum, ganz ruhig zu sein, nichts zu fühlen und keine Gedanken zu haben, sondern den Gedanken und den Gefühlen zu erlauben, da zu sein – jedes Gefühl, jede Empfindung und jeder Gedanke.
Und trotzdem führt wiederholtes Meditieren dazu, dass Du mehr in Dir ruhen kannst, weil Du gelernt hast, dass die Gedanken und Gefühle da sein dürfen und ihre Anwesenheit Dich nicht aus der Ruhe bringt. So kommst Du mit der Zeit zu mehr Momenten der Stille. Dies ist jedoch nicht eine Voraussetzung, um überhaupt meditieren zu können, sondern eine Folge wiederholter Praxis.

Warum ist die Erkenntnis, dass Dein Kopf „laut“ ist, eigentlich eine gute Nachricht?
Du setzt dich zum Meditieren hin und erkennst, dass es in Deinem Kopf laut ist – das ist ein großer erster Schritt. Es zeigt nämlich, dass Du mit Deiner Aufmerksamkeit bei Dir bist und nicht im Außen. Du bist Dir bewusst geworden, was in Dir passiert, welche Gedanken und Empfindungen Du hast. Wenn Du das wiederholt machst, dann bringt Dich das immer weniger aus der Ruhe, weil dieser Prozess vertrauter wird.
Was, wenn Entspannung gar nicht das Ziel Deiner Meditation ist?
Wichtig ist, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass das Ziel des Meditierens nicht das „Nicht-Denken“ und die pure Entspannung ist, sondern bewusst zu sein – den Gedanken und Gefühlen, die Du hast bewusst wahrzunehmen.
Viele gehen die Meditationssitzung an mit dem Ziel, innere Ruhe und Entspannung zu erreichen – was zwar legitim ist, aber keinesfalls ein besseres Ergebnis ist, als Bewusstsein zu erlangen. Vielleicht bringt Dich ein erhöhtes Bewusstsein sogar näher in diesem Moment zu Dir, zu deinem Wesen und deinem Kern, weil du bewusst wahrnimmst, was in Dir passiert. Und gerade wenn Du nicht gegen diese Gedanken und Gefühle kämpfst, werden sie Dich weniger aus der Ruhe bringen.

Woran erkennst du, dass Meditation Dein Leben außerhalb der Praxis verändert?
Diese Haltung wird Dir nicht nur während, sondern auch außerhalb der Meditationspraxis helfen. Du meditierst anders, weil Du die Gedanken, die vorkommen, nicht als Störung siehst, sondern als Teil der Praxis. Außerhalb der Praxis und im Alltag wirst du mehr in Dir ruhen können, sowie bewusster und fokussierter durch das Leben gehen.
Hania Moemen (Psychologiestudentin)
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