Vielleicht bist Du ein echter Profi in Sachen Meditation – oder fühlst Dich schon überfordert, wenn Dir jemand erklärt, dass Du dafür gar keine Yogamatte brauchst. Doch egal, ob fortgeschritten oder noch Anfänger*in: Meditierende haben doch immer ihre Hände auf den Knien … oder nicht?
Eine spannende Frage, die wir in diesem Blogartikel weiter betrachten müssen. Denn wenn Du an Meditation denkst, erscheinen in Deinem Kopf vermutlich Bilder vom meditierenden Buddha oder sehr entspannt wirkenden Yogapersönlichkeiten. Alle im Schneidersitz, das ist ja klar. Doch was ist mit den Händen los? Über kaum ein anderes Körperteil kann man mehr diskutieren während einer Meditation! Also schauen wir uns in diesem Artikel doch einfach mal Deine Hände an. Lass uns durch ein Mudra Deine Meditation auf ein anderes Level bringen, los geht’s!
Was ist überhaupt ein Mudra?

Namaste (“Das Licht, das in mir wohnt, grüßt das Licht in Dir”) – so beginnt und endet nicht nur eine Yogapraxis, sondern auch manche Meditation. Mit dem Zusammenführen der Hände sind wir beim heutigen Thema angekommen: Mudras!
Mudras sind Hand- oder Fingerhaltungen, die Deiner Meditation den letzten Schliff verpassen. Denn Mudra bedeutet übersetzt “Geschenk”. Und je nachdem, wie Du Deine Hände oder Finger verbindest, schenkst Du Deinem Geist bestimmte Energien, die Deine Meditation unterstützen.
Jeder Finger Deiner Hand steht dabei für eines der fünf Elemente:
1. Daumen: Feuer
2. Zeigefinger: Luft
3. Mittelfinger: Raum/Äther
4. Ringfinger: Erde
5. Kleiner Finger: Wasser
Anjali oder Namaskar Mudra
Beginnen wir mit dem Klassiker schlechthin: Das Anjali oder Namaskar Mudra – aus dem Sanskrit: Hingabe, Verehrung, Segen, Darbringung. Wenn es Dir aus Deiner Praxis noch nicht bekannt ist, probiere es doch gerne beim nächsten Mal einfach aus! Denn gesehen hast Du es bestimmt schon. Und es ist ganz einfach. Bringe Deine Handfläche vor Deinem Herzen zusammen und lass Deine Daumen Dein Brustbein berühren. Du kannst Deine Finger wie im unteren Bild spreizen oder Du lässt sie zusammen, wie Du etwas weiter oben sehen kannst. Spreizt Du Deine Finger, lässt Du die Energie im wahrsten Sinne des Wortes aus Deinem Herz strahlen, mit aneinander gebrachten Fingern zentrierst Du Deine Energie mehr bei Dir.

Denn die positiven Einflüsse lassen sich nicht von der Hand weisen. Durch die Verbindung beider Hände miteinander und dem Kontakt mit Deinem Herzen synchronisierst Du Deine beiden Körperhälften, verbindest alle Elemente mit Dir und Deine Energie kann zirkulieren. Du fühlst Dich vollkommen und spürst innere Ruhe. Du bist bereit Liebe, Mitgefühl und Offenheit zu empfangen und zu geben.
Chin Mudra
Das Chin Mudra ist eine der bekanntesten Handhaltungen, die Du vermutlich schon gesehen oder selbst praktiziert hast. Es steht für die Geste des Wissens. Chin oder eigentlich Chit geschrieben, bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt Bewusstsein, Wissen oder Weisheit. Richtet sich die Handfläche nach oben wird es zum Jnana Mudra (Sanskrit) oder Gyana Mudra (Hindi).

Dieses Mudra verbindet den Daumen, das Feuer, mit dem Zeigefinger, der Luft. Luft steht hier auch für Deinen Atem, der die Verbindung zwischen Dir und Deiner Umwelt schafft. Die Verbindung mit Feuer konzentriert Deinen “luftigen/sprunghaften” Geist. Neben den Elementen, die sich in unseren Fingern erstrecken, gibt es noch eine weitere Zuschreibung. Es klingt zunächst etwas kompliziert, doch keine Sorge!
Schon aus dem Alltag wird klar, dass der Daumen hoch oder runter unserem Gegenüber unmissverständlich unser Befinden aufzeigt. Mit dem gestreckten Zeigefinger können wir ermahnen, aufmerksam machen oder sogar drohen. Nicht zuletzt heißt es, man soll nicht auf Menschen zeigen.
Und genau dafür stehen die beiden Finger auch in Vedanta – Philosophie der Einheit. In dieser indischen Mythologie steht der Daumen für Brahman: das universelle, absolute Bewusstsein und unendliche Wissen. Der Zeigefinger hingegen steht für das Ego: das individuelle Bewusstsein.
Neben ihnen gibt es noch die drei Gunas Tamas (Mittelfinger): Trägheit, Sattva (Ringfinger): Reinheit und Rajas (Kleiner Finger): Unruhe. Sie symbolisieren die Eigenschaften der Natur, die in allem zu finden sind. Der Mensch soll nach Reinheit streben und wird durch Trägheit und Unruhe beeinflusst. Nahrung, Lebensstil und Farben sind Beispiele für Gebiete, in denen Du diesen Eigenschaften begegnen und sie selbst lenken kannst. Interessierst Du Dich dafür, wie Du Dein Sattva bewusst steigern kannst, empfehle ich Dir Ayurveda zu erforschen.
Doch zurück zum Chin Mudra. Durch die Verbindung des Daumens und Deines Zeigefingers, “verbeugt” sich Dein Ego vor dem Göttlichen und wendet sich durch die Ausstreckung der anderen Finger ab von den drei Gunas. Es entsteht ein Kreis und damit eine Verbindung vom universellen mit dem individuellen Bewusstsein.
Ähnlich wie im Anjali Mudra zirkuliert Deine Energie durch die Verbindung der Finger in Deinem Körper. Durch das Chin Mudra wirst Du Dir deiner Selbst bewusst und strebst Richtung Unendlichkeit, unabhängig von allen Eigenschaften dieser Welt.
Dhyana Mudra
Dhyana bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt Meditation. Moment mal – Meditation, daran arbeiten wir doch schon seit drei Wochen, wieso kommt dieses Mudra erst jetzt? Und ja Du hast Recht, das Dhyana Mudra ist eines der bekanntesten Mudras überhaupt. Nicht zuletzt, weil Buddha selbst in dieser Haltung die Erleuchtung (Samadhi) gefunden hat.

Der Grund dafür, dass ich Dir erst jetzt vom Dhyana Mudra erzähle ist, dass Du zunächst die Elemente und die Vedanta kennenlernen solltest und die Wirkung spüren, bevor Du den eigentlichen Popstar kennenlernst.
Und das Dhyana Mudra bringt Dich noch einmal einen Schritt weiter. Denn mit ihm lernst Du Deinen ganzen Körper kennen: Deine Chakras.
Und ja, das klingt sehr esoterisch, aber da Du durch eigene Praxis der anderen Mudras ins Spüren der Effekte für Deinen Körper gekommen bist – bist Du jetzt bereit, Dich voll und ganz zu öffnen.
Die Chakren sind die Energiezentren Deines Körpers. Sieben Stück gibt es an der Zahl und wie Du sehen kannst, laufen sie entlang Deiner Körpermitte – mehr dazu ein anderes Mal. Je nachdem, wie Du nun Hände, Finger oder generell Deinen Körper positionierst, förderst Du ein anderes Chakra. Das Tolle an diesem Mudra ist, dass Du alle Chakren gleichzeitig aktivierst und in Einklang bringst. Du arbeitest also in dieser Haltung mit den Elementen, den Vedanta und Deinen Chakren – deshalb ist das Dhyana Mudra nicht umsonst die Mutter aller Mudras.
Wie praktizierst Du es? Setze Dich in eine Meditationsposition, für dieses Mudra gerne den Schneidersitz und richte Deinen Oberkörper auf. Lege Deine Hände ineinander und bringe die Daumenspitzen zusammen, es entsteht ein Dreieck oder ein Kreis. Beide Symbole streben nach Einheit.
Durch das Berühren Deiner Daumen harmonierst Du Deine Feuer-Energie und Du verbindest Dich mit dem universellen Bewusstsein. Du wirst ähnlich wie im Anjali Mudra körperliche Ruhe empfinden und wie durch das Chin Mudra geistiges Bewusstsein – Du erschaffst ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist.
Prithivi Mudra
Dieses Mudra trägt den Namen Prithivi oder Bhumi und das bedeutet nicht weniger als Mutter Erde. Deshalb ist es eines meiner persönlichen Lieblingsmudras.
In dieser oft hektischen Welt müssen wir wieder bewusst lernen, zurück zu uns selbst zu finden, präsent zu sein und nicht mit den Wolken unseres Geistes davon zu driften. Obwohl kaum ein anderes Mudra uns so sehr bei unseren alltäglichen Höhen- und Sturzflügen wieder erden kann, sollte es nicht von allen ausgiebig praktiziert werden.
Warum das, Du dachtest alle Mudras bringen nur Gutes mit sich? Grundsätzlich stimmt das, doch wie Du erfahren hast, beeinflusst Du mit Mudras Deinen Energiefluss. Dieser ist Grundlage Deines persönlichen Seins – die Ausprägung Deiner Chakren, Elemente und Eigenschaften.
Sie sammeln sich in den Doshas, von denen es drei verschiedene Typen gibt.
– Vata: Element Wind, bewegungsfreudig, kalt, zierlich/schlank, Ungleichgewicht führt zu Unruhe und Nervosität
– Pitta: Element Feuer, Transformation, heiß, scharf, intensiv und Durchsetzungsvermögen, Ungleichgewicht führt zu Wut und Hektik
– Kapha: Element Wasser/Erde, schwer, kühl, stabil, ruhig, friedlich, Ungleichgewicht führt zu Trägheit oder Depressionen
Nun kannst Du Dir schon denken, dass Menschen, die den Typ Kapha besitzen sich nicht noch weiter erden sollten, da sie ohnehin schon viel Stabilität haben und sonst träge werden. Im Gegensatz dazu steht der Pitta-Typ, welcher durch seine intensive Lebensweise sehr von der Erdung dieses Mudras profitieren könnte. Teste doch selbst gern einmal, zu welchem Typ Du gehörst.
Wie praktizierst Du es? Komme in Deine Meditationshaltung. Bringe Deine Daumenspitzen mit Deinen Ringfingerspitzen zusammen. Du kannst, wenn Du magst, leichten Druck ausüben. Zeige-, Mittel- und kleiner Finger sind gerade ausgestreckt. Schließe Deine Augen und atme tief ein.

Durch die Verbindung des Daumens – Feuer und universelles Sein – mit dem Ringfinger – Erde und Sattva (Reinheit) erschaffst Du eine mächtige Partnerschaft. Nicht selten spürst Du sofort eine starke Verbundenheit mit Deiner Umwelt. Dieses Mudra nährt Deinen physischen wie psychischen Körper mit Stärke, Heilung und besonders dem Zurückkommen ins Hier und Jetzt. Sprichwörtliche Höhenflüge enden. Finde zurück zu Dir und Mutter Natur in vollkommener Zufriedenheit.
Vishnu Mudra: Der Spezialist unter den Klassikern
Zum Abschluss widmen wir uns einem ganz speziellen Mudra: dem Vishnu Mudra. Sein Name kommt von der Hindu-Gottheit Lord Vishnu, der Erhalterenergie des Universums. Das Vishnu Mudra ist vermutlich keines, das Du auf Anhieb kennst, doch sollte es unbedingt einen Weg in Deine Praxis finden, wenn es das nicht ganz heimlich schon geschafft hat!
Denn das Vishnu Mudra findet vor allem im Pranayama seine Anwendung. Prana, was? Fragst Du Dich jetzt.
Wie alle anderen Mudras kann auch das Vishnu Mudra in Deiner Meditationshaltung Anwendung finden, seine Stärke liegt gerade in der Unterstützung von Atemübungen dem Pranayama: der Lenkung Deiner Lebensenergie. “Prana” bedeutet Lebensenergie und “Ayama” Kontrolle, durch Pranayama kontrollierst Du also Deine Lebensenergie.
Wie praktizierst Du es? Da das Vishnu Mudra kein klassisches Mudra ist, ist auch seine Ausführung ein wenig “komplizierter” zu erklären. Lass Dich nicht abschrecken, probier’s einfach mal! Wie Du sehen kannst, sollten Dein Daumen, Ring- und kleiner Finger gerade ausgestreckt sein. Zeige- und Mittelfinger beugst Du Richtung Handfläche. In die entstehende Lücke bringst Du Deine Nase, um nun wechselseitig im Einklang mit Deiner Atmung abwechselnd ein Nasenloch zu verschließen, während Du durch das andere einatmest. Deinem kleinen Finger kommt weniger Bedeutung zu, da Du mit Daumen und Ringfinger arbeitest.

Diese Praxis nennt sich dann Nadi Shodhana oder Anuloma Viloma. Dabei gibt es verschiedene Zählzeiten des Ein- und Ausatmens, sowie des Atmenanhaltens. Diese hängen von Deiner Erfahrung und Deiner Intention ab, doch dazu kommen wir in späteren Artikeln.
Betrachten wir die Finger. Du verbindest Feuer (Daumen) mit Erde (Ringfinger) und erschaffst eine beruhigende ausgleichende Energie. Zusätzlich verbindest Du das universelle Bewusstsein (Daumen) mit Reinheit (Ringfinger) und beugst Ego (Zeigefinger) und Trägheit (Mittelfinger), was dazu beiträgt, dass Deiner Energie Richtung Erleuchtung in vollkommener Ruhe nichts mehr im Weg steht.
Kann man das online lernen?
Im Internet findest Du viele tolle Anleitungen, die Dir zeigen, wie Du die hier vorgestellten Mudras anwenden kannst. Beispielsweise findest Du hier kurze, prägnante Anleitungsvideos.
Online meditieren mit dem Mindfulife Online-Meditationsstudio
Wenn Du das Meditieren selbst ausprobieren willst, heißen wir Dich in unserem Online-Meditationsstudio bei Eversports herzlich willkommen. Bequem von Zuhause aus kannst Du an einer unserer zahlreichen von Expert*innen geleiteten live Meditation-Sessions oder Audio-Meditationen teilnehmen.
Wir freuen uns auf Dich!

1 Kommentar
Mindfulife
Wusstest Du bereits von den verschiedenen Hand- und Fingerhaltungen? Welche ist Dein Favorit?