Better Call Casy – Die Wahrheit über Coaching vs. Therapie

Veröffentlicht am
4 Dezember 2025
Zuletzt aktualisiert
3 Dezember 2025
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Casy M. Dinsing. Coach.

Coaching vs. Therapie: So triffst Du die richtige Wahl

Manchmal spürst Du vielleicht: So wie es gerade läuft, kann es einfach nicht bleiben. Besonders in Zeiten, die uns herausfordern, oder in denen es uns nicht gut geht, kann das ein großes Thema werden. Häufig taucht die Frage auf: Brauche ich eine Therapie – oder „reicht“ ein Coaching? Genau darüber sprechen wir in der heutigen Podcast-Folge mit Casy M. Dinsing, Psychologin und vor allem Coach mit einer klaren, bodenständigen Haltung. Dieser Artikel greift ihre Perspektive auf und ergänzt sie um ein paar Orientierungspunkte für Dich, wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Therapie oder doch Coaching sinnvoll ist.

Aber wie kannst Du das für Dich eigentlich herausfinden?

Coaching

Das ist manchmal gar nicht so einfach und kann uns ziemlich überfordern. Ganz grob kannst Du Dir merken: Therapie ist vor allem dann wichtig, wenn Dein seelisches Erleben einen Krankheitswert hat, Du selbst einen Leidensdruck verspürst, oder wenn Du merkst, dass Dein Alltag kaum noch zu bewältigen ist. In einer Therapie geht es oft um Stabilisierung und um das Arbeiten an tiefen Wunden. Therapeut:innen sind staatlich ausgebildet, arbeiten nicht selten mit Diagnosen und oft über einen längeren Zeitraum, manchmal auch über die Krankenkasse. Die meisten Coaching Angebote richten sich eher an persönliche Themen ohne „Krankheitswert“. Das können z.B. Fragen rund um Deinen Beruf und Berufung, Selbstzweifel, Beziehungsmuster, Orientierungsphasen, innere Blockaden oder das Gefühl, auf der Stelle zu treten sein.

Wie Du vielleicht schon bemerkst, geht es im Coaching stärker darum, was Du konkret verändern möchtest und welche Schritte Dich dorthin bringen können. Der Blick ist dabei nach vorn gerichtet: Was brauchst Du, um Dein Leben aktiver zu gestalten? An dieser Stelle ist es wichtig einzuordnen, dass Beide Wege wertvoll sind und uns helfen können, nur eben für unterschiedliche Situationen.

Unser Gast Casy macht bewusst keine Therapie mit ihren Klient:innen, und das ist für sie vor allem eine Frage der Haltung. Sie arbeitet überwiegend mit Menschen, die nicht in einer „klinischen Krise“ stecken, aber vielleicht deutlich merken: Ich stehe mir selbst im Weg. Casys Grundhaltung ist dabei klar: auch jammern darf sein, Gefühle sind willkommen, aber irgendwann braucht es auch den Schritt ins Handeln. „Nimm Dein Leben in die Hand und tu was“ beschreibt sehr gut, wie sie arbeitet – fordernd, aber zugleich zugewandt und Lösungsorientiert. Wichtig ist ihr auch folgende Unterscheidung: Nicht jede schwere Kindheit und nicht jede belastende Erfahrung macht Dich automatisch „krank“.

Du darfst leidvoll geprägt sein, ohne dass Du deshalb eine Diagnose haben musst. Im Coaching bekommen diese Erfahrungen Raum, aber sie definieren dich nicht. Entscheidend ist, was Du aus dem Heute heraus gestalten möchtest. So richtet Casy den Fokus auf das Hier und Jetzt und auf Deine Zukunft. „Die Vergangenheit gehört zu Dir, doch das Leben findet im aktuellen Moment statt“. Und genau dort setzt Casy an. Kritisch sieht sie vor allem den inflationären Gebrauch von Diagnosen und Begriffen wie „Narzissmus“ oder „Trauma“.

Im Coaching stehen für sie der Mensch und sein konkretes Anliegen im Vordergrund, nicht etwa das Etikett, das darübergeschrieben wird, so unser Gast. Sie nutzt psychologische Fachkenntnisse, aber arbeitet nicht nur mit Diagnosen im medizinischen Sinn, sondern mit Dir als Person, mit Deinen Mustern, Deiner Geschichte und Deinen Zielen. Sie möchte den Menschen wahrnehmen, der vor ihr sitzt, nicht etwa ein Schema. In den Sitzungen steigt sie schnell ins Thema ein und versucht in den ersten Minuten ein Gefühl dafür zu bekommen, was eigentlich los ist, damit die gemeinsame Zeit möglichst wirksam genutzt werden kann. Dass sie oft nur wenig Vorwissen über die Vorgeschichte ihrer Klient:innen hat, erlebt sie sogar als Vorteil: Sie begegnet allen Menschen unvoreingenommen. Gleichzeitig ist ihr psychologischer Hintergrund für sie unverzichtbar: Coaching heißt für Casy nicht „einfach nur reden“, sondern verantwortungsvoll mit psychologischem Wissen umzugehen.

Vielleicht fragst Du Dich, was für Deine Situation passend ist. Wenn Du seit längerer Zeit leidest, oder wenn Du das Gefühl hast, Dein Alltag bricht zusammen, ist eher Therapie der richtige Rahmen. Wenn Du dagegen eher merkst, dass Du festhängst, z.B.  in Entscheidungen, in Beziehungen, in Deiner beruflichen Situation oder Deinem Selbstbild –, kann Coaching eine gute Möglichkeit sein, wieder in Bewegung zu kommen. Du darfst Dich auch fragen, ob Du im Moment eher Stabilität und Schutz brauchst oder ob Du genügend Kraft hast, aktiv ins Tun zu kommen. Beides darf wahr sein, und beides ist okay. Egal, wofür Du Dich entscheidest: Es geht nicht darum, Dich zu optimieren, sondern darum, für Dich da zu sein, mit Deinem Schmerz, Deinen Wünschen und Deiner Verantwortung für Dein Leben. Therapie und Coaching sind keine Gegensätze, sondern zwei unterschiedliche Wege, Dich Dir selbst zuzuwenden: der eine eher tiefgreifend und stabilisierend, der andere eher aktivierend und zukunftsorientiert.

                                                                                                                                                                                                           Betty Schneider (B.Sc. Psychologie)

Videos zu diesem Thema

Wenn Du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest Du auf dem YouTube- Kanal „Tonka & Phil“ eine Vielzahl von passenden Videos. Dort gibt es auch ein Video „Better Call Casy – Die Wahrheit über Coaching vs. Therapie“, das gut zu diesem Artikel passt.

Quellen

Giraldez-Hayes, A. (2021). Different domains or grey areas? Setting boundaries between coaching and therapy: A thematic analysis. The Coaching Psychologist, 17(2), 18–29. https://doi.org/10.53841/bpstcp.2021.17.2.18
 
Lattuada, P. L., Bogzaran, F., Taylor, S., Buyens, H., Curti, C., Gentili, A., McMahon, S. N., & Bertelsen, I. (2020). Integral Transpersonal Journal: Of arts, sciences and technologies (R. Strambaci, Hrsg.). Integral Transpersonal Institute sas di PL Lattuada e C. https://doi.org/10.32031/ITIBTE_ITJ_15
 
Price, J. (2009). The coaching/therapy boundary in organizational coaching. Coaching: An International Journal of Theory, Research and Practice, 2(2), 135–148. https://doi.org/10.1080/17521880903085164

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